Aus aktuellem Anlass

Der Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Hagen ist am Freitag, 1. Oktober, mit einer Verurteilung des Angeklagten zu Ende gegangen. Der Täter wurde wegen sexuellen Missbrauchs in 13 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt. "Ich bin froh, dass mit dem Urteil wenigstens die erste Etappe dieser Qual für die betroffenen Kinder und ihre Familien einen Abschluss gefunden hat. Ich hoffe, dass die hohe Strafe  für sie eine Entlastung darstellt", sagt Superintendentin Martina Espelöer. "Ich hätte allerdings im Sinne aller Beteiligten eine anschließende Sicherheitsverwahrung für den Täter als sinnvoll erachtet."

Das Gericht, das diesen schwierigen Fall sorgfältig aufgearbeitet hat und die psychologische Gutachterin, die die Glaubwürdigkeit der Kinder zweifelsfrei feststellen konnte, habe ihren größten Respekt, so die Superintendentin weiter.  In der Urteilsbegründung betonte der vorsitzende Richter, dass den Verantwortlichen des Jugendcafés Checkpoint kein Vorwurf zu machen sei. Die Arbeit in sozialen Einrichtungen, insbesondere in denen der Kirche, könne nicht ohne den Glauben an das Gute im Menschen funktionieren.

"Es ist gut, dass der Prozess mit dem Urteil seinen Abschluss gefunden hat, das Team des Checkpoints und mich persönlich werden die Ereignisse aber noch lange beschäftigen. Wir sind tief betroffen von dem Leid, dass die Kinder und Jugendlichen und auch ihre Familien erfahren haben", so Timon Tesche, Leiter des Checkpoints, der der Urteilsverkündung gemeinsam mit Pfarrerin Mirjam Ellermann, Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde, beiwohnte. "Wir stehen seit Bekanntwerden der Vorfälle in vertrauensvollem Kontakt mit den Familien und bieten ihnen auch weiterhin Begleitung an", ergänzt Ellermann. Wie es für die Kinder nun weitergeht, ist für den Kirchenkreis die wichtigste Frage.

Zum Thema Prävention werden in Zukunft verschiedene Formate für Kinder und Jugendliche sowie für interessierte Eltern angeboten. Ein erster Elternabend zum Schutz vor sexueller Gewalt unter dem Titel "Erkennen - Handeln - Schützen" ist für Mittwoch, 3. November, 18.30 Uhr im Lutherhaus bereits geplant. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind bis zum 27. Oktober unter checkpoint@bewegt-iserlohn.de möglich. Mit dem Verein Zartbitter in Köln plant Timon Tesche ein Theaterstück zum Thema Prävention zum Jahresbeginn 2022.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendcafés arbeiten außerdem gemeinsam mit einer Beratungsstelle für sexualisierte Gewalt an einem Konzept, damit die Qualität des Checkpoints auch in Zukunft zum Tragen kommen kann. "Für den Checkpoint und unser gesamtes Arbeitsfeld haben wir bereits Konsequenzen gezogen", unterstreicht Superintendentin Martina Espelöer zum Abschluss des Prozesses. So wird in Zukunft jeder Mitarbeiter des Kirchenkreises, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

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