Sommersegen

Superintendentin Martina Espelöer

Da spazierte eine Sommerfrische durch meine Tür. Mitten in der Vorbereitung dieser Worte an Sie winkte sie mir zu: Sommerfrische – Sommersegen. Faszinierend, denn ein solcher Vorgang ist, wenn ich es recht überlege, gar nicht so selten: Ganz anders kommt manches als gedacht, aber dann wird es ganz anders gut. Besonders zeigt sich dieser Umstand, wenn irgendetwas nicht so rund läuft. Die Planung stand, kann aber nicht so umgesetzt werden; versäumte Frist, Erkrankung zentraler Mitarbeitender. Der Referent steht in einer Autobahnsperrung. Das eigentlich bestellte Buch wird nicht geliefert. Und dann öffnen sich Wege, die vorher nicht zu erkennen waren, sich erst zeigten, als das „Eigentliche“ entfiel. Nicht, dass es mit der Planung schlecht gelaufen wäre; aber dass es ohne die vorige Planung ebenfalls richtig gut (manchmal besser) geworden ist, entlockt mir ein Ah und Oh. Das ist für mich, die ich und nicht so gerne Dinge dem Zufall überlasse und in der Leitung schon gar keine Überraschungen mag, wie gesagt – eine Faszination; Trost auch und Schule der Heiterkeit. Auf einem solchen Umweg hat mich ein Gedicht erreicht, stand auf einmal da, wo etwas anderes hätte stehen sollen  – weiterzugeben als ein Sommersegen: 

Sommerfrische                                  Joachim Ringelnatz

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil’s wohltut, weil’s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Lassen Sie sich hier und da entführen in die Welt der Selbstvergessenheit und das, was wie von selber weiter reicht als gedacht. Gott befohlen!

Ihre
Superintendentin Martina Espelöer

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