Einführung Pfarrer Thomas von Pavel

Thomas von Pavel mit Superintendentin Martina Espelöer © Foto: Silvia Rinke

Nachdem seine ersten Predigtsätze als neu eingeführter Pfarrer der Gemeinde Menden verklungen waren, blickte Thomas von Pavel lächelnd zu den fragenden Gesichtern vor ihm hinunter: „Liebe Gemeinde: Ich gehe davon aus, dass die Wenigsten das, was ich gerade gelesen habe,  verstanden haben.“

So war es. Gelesen hatte Thomas von Pavel einen kurzen Abschnitt aus seiner ersten Predigt als Seelsorger der Gemeinde Menden. Sein Thema war die Sprache, die fremde Sprache und verbunden damit die Frage: Wie kann sich die Kirche in der heutigen Zeit den Menschen noch „verständlich machen“? Welche Sprache muss sie sprechen, damit sie die Menschen und deren Lebenswirklichkeit  heute erreicht?

„Fremd“ den Menschen in Menden ist Thomas von Pavel nicht. „Sie sind schon lange zusammen mit Ihrer Familie dieser Kirchengemeinde verbunden – im gottesdienstlichen Leben, in der Kirchenmusik und nicht zuletzt auch als Zuhause“,  begrüßte ihn Superindentin Martina Espelöer am Sonntag, 13. Juni, bei seiner Einführung in die erste Mendener Pfarrstelle. Der Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche, der von einem umfassenden Hygienekonzept flankert war, wurde per Video live ins Paul-Gerhardt-Haus und in die Erlöserkirche übertragen.

 An die dergestalt von überall zusehende und -hörende Gemeinde gerichtet, freute sich  Espelöer: „Wie schön,  dass Sie zügig eine Nachfolge für Pfarrerin Goudefroy gefunden haben.“ Mendens langjährige Pfarrerin hat im Kirchenkreis Vlotho das Amt der Superintendentin übernommen; mit ihrem Nachfolger, versicherte Espelöer der Gemeinde, „bekommen Sie einen Pfarrer mit  Erfahrungen in vielfältigen Bereichen.“

Für manche mochte der Wechsel überraschend kommen. Viele Jahre lang war Thomas von Pavel in einer synodalen Pfarrstelle als Berufsschulpfarrer und dann als Schulreferent im Kirchenkreis Iserlohn tätig. „Bildung und Ausbildung – auch unseres Nachwuchses der Vikarinnen und Vikarinnen – liegen dir sehr am Herzen“,  unterstrich Superintendentin Espelöer. „Junge Menschen sollen etwas vom christlichen Glauben und seiner Tradition erfahren. Sie sollen sprachfähig werden auch im Dialog mit anderen Religionen, eigene Schritte des Vertrauens und der christlichen Werte wagen. Und nun sagst du: Aber die Gemeinde vor Ort – sie fehlt mir.  - Was für ein Satz!“, lächelte Espelöer.

 Thomas von Pavel, der nun wieder „seine Gemeinde“ hat (wie eben die Kirchengemende Menden wieder „ihren Pfarrer“), nahm die von Espelöer erwähnte „Sprachfähigkeit“ in seiner Predigt auf. Sprache, sich verständlich machen können; so wichtig, so zentral. Im Urlaub, so von Pavel, „kann man sich notfalls mit Händen und Füßen verständigen. Aber dauerhaft in einem fremden Land zu leben ohne Verständnis der Sprache: Das wird sehr anstrengend.“ Es wird kaum gelingen können.

Im Brief an die Korinther, 14 Kapitel, geht es um die prophetische Rede, führte von Pavel aus. Die prophetische Rede soll den Menschen zur Erbauung dienen. Dazu muss sie aber „mit Verstand“ gesprochen werden und nicht „mit Zungen“, erläuterte von Pavel den Bibeltext. „Wer in Zungen redet, erbaut nur sich selbst.“ Eine solche Rede ist sehr erbaulich für den, der redet - bloß versteht ihn eben  niemand. Der neue Mendener Pfarrer schlug einen Bogen zur Erwartung der Gemeinde an ihn und speziell an jeden Seelsorger und jede Seelsorgerin: Erbauung zu spenden, zur richtigen Zeit auch Mahnung, und Trost.

 Dazu braucht es aber umgekehrt den entsprechenden Resonanzkörper: „Wir werden kleiner als Gemeinden, und mit uns verschwinden Gebäude, Gemeindehäuser, Kindergärten.“ Die demografische Entwicklung trifft  auf Menschen, die sich von der Kirche abwenden,  die austreten aus mannigfachen Gründen. „Das schmerzt“, sagte von Pavel offen. Und offenbar hat es auch damit zu tun, „dass wir als Kirche immer weniger verstanden werden. Dass wir eine Sprache sprechen, die wir zwar untereinander verstehen,  aber nicht damit nach außen dringen.“

Neu, vielleicht auch anders reden ist daher die Herausforderung dieser Zeit, der sich der neue Mendener Pfarrer neben vielem anderen engagiert stellen möchte. Um, so unterstrich zuvor  Superintendentin Espelöer, als Kirche die zentralen Werte dieser Zeit zu übermitteln: Teilen, Solidarität und gegenseitigen Respekt.

Text: Silvia Rinke

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