Niemals geht man so ganz

Bild 1: Pfarrer Karl-Heinz Struve (Foto: privat)

Bild 2: Die Entpflichtung nahm Superintendentin Martina Espelöer vor (Pressefoto)

Bild 3: "Das Geschenk der Evangelien ist mehr als die Summe seiner Teile." (Superintendentin Espelöer) (Foto: Heike Kiefer)

Bild 4: Interaktives Predigt-Tool Mentimeter (Wordcloud Bildschirmfoto Philipp Sternemann)

Iserlohn. Am 28. Februar wurde Pfarrer Karl-Heinz Struve in einem Zoom-Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Freunde und Kolleginnen und Kollegen aus dem Kirchenkreis nahmen teil. Die Entpflichtung nahm Superintendentin Martina Espelöer vor, die in ihrem Grußwort an einige gemeinsame Stationen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit erinnerte. Sie hatte ein Holzkreuz mitgebracht (Bild s.u.), das 2017 beim Reformationsjubiläum eine große Rolle gespielt hatte. Bestehend aus einem Sockel und zwei Balken, erkennt man erst nach dem Zusammensetzen, was sich für eine Botschaft dahinter verbirgt: „Was uns von unseren Evangelien geschenkt wird, ist immer mehr als die Summe seiner Teile.“, fasste die Superintendentin zusammen. In Anlehnung an den Predigttext zum Sonntag Reminiscere (Psalm 25, 1-10) legte sie einen Schwerpunkt auf Vers 6: “Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind“. „Wir bitten Gott, sich an seine Barmherzigkeit zu erinnern. Das gibt uns Zuversicht, als würde es die  Pandemie nicht geben“, stellte Pfarrerin Martina Espelöer den Bezug zur aktuellen Situation her. „Ja, wir sind bedrängt. Aber wir haben Hoffnung und Mut im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

Erinnerungen waren auch ein Thema in Pfarrer Struves Predigt. Bezugnehmend auf Psalm 25 sprach er von einer „religiösen Vergangenheitsbewältigung“ und beleuchtete diese unter historischen, psychologischen und christlichen Gesichtspunkten. Die biblische Antwort des Psalms brachte er treffend auf den Punkt: „Erinnere dich Gott, dann habe ich noch eine Zukunft – Gott lässt sich erweichen, weil er ein liebendes Herz für die Menschen hat.“

Diese Hoffnung spielte in Pfarrer Struves Leben immer eine große Rolle. Getragen fühlte er sich vor allem durch einen Vers aus dem Buch Richter, Kap 5, V 31b: „Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, wie sie aufgeht in ihrer Pracht.“ Dieser Bibelvers erzählt von der Hoffnung, trotz Dunkelheiten, die einen umgeben. Karl-Heinz Struve sieht für sich sogar den aktueller Bezug zur derzeitigen Situation: „Alle Schmerzen werden vergehen: Das ist es, was mir an dem Wort so gefällt: Es ist ein Lied der Hoffnung.“ So sah und sieht er auch jetzt noch seinen Auftrag: „Ich möchte darüber reden und Geschichten erzählen von der Hoffnung, die uns ermutigt; von der Liebe, die uns umfängt; vom Glauben, der uns trägt.“ Das passende Anbetungslied dazu hatte er sich ausdrücklich für den Gottesdienst gewünscht.

Pfarrer Karl-Heinz Struve war seit dem 1. Mai 2012 beim Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn beschäftigt. Zuvor war er über 20 Jahre als Gemeindepfarrer in Dortmund tätig. Nach seinem Theologiestudium in Bethel und Göttingen absolvierte er sein Vikariat in Gütersloh und trat anschließend seinen Dienst als Pfarrer in einer Gemeinde in Lünen an. Bevor er zu einer Pfarrstelle in Dortmund wechselte, stand Pfarrer Struve in den Jahren 1990 und 1991 m Dienst des Evangelischen Kirchentages im Ruhrgebiet. Er war in der Organisation des „Abend der Begegnung“ in Bochum, Essen und Dortmund und für den Abschlussgottesdienst in der ehemaligen Schalke-Arena verantwortlich tätig. Damals noch ohne Internet und Emails, lief die gesamte Kommunikation noch per Post und Telefon: „Es war eine spannende Zeit und hat mir sehr viel Freude gemacht.“, schwärmt Karl-Heinz Struve. Im Bereich der Organisation von Großveranstaltungen habe er dort viel gelernt. Davon hat auch der Evangelische Kirchenkreis Iserlohn profitiert, in dem Pfarrer Struve in den letzten Jahren unter anderem für das Veranstaltungsmanagement verantwortlich war. Im Mai 2012 trat Pfarrer Struve in den Dienst für den Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Er übernahm die Vertretung in der Kirchengemeinde Deilinghofen (50%) und war im Öffentlichkeitsreferat mit weiteren 50% tätig. Später wurde die Stelle auf 100% aufgestockt und Markus Mickein kam als weiterer Kollege im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit hinzu. Beide zusammen haben das Referat in diesen Jahren weiterentwickelt, die Homepage aufgebaut, einen kreiskirchlichen Newsletter eingeführt, Fortbildungen für die Öffentlichkeitsarbeitenden in den Kirchengemeinden angeboten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Zu Karl-Heinz Struves Hauptaufgaben gehörte in den letzten Jahren das Management von Großveranstaltungen. Die durch Superintendentin Martina Espelöer initiierte Kampagne „Barrierefreier Kirchenkreis“ lief über sieben Jahre in Kooperation mit der Diakonie Mark-Ruhr und den Iserlohner Werkstätten. In den letzten beiden Jahren war Karl-Heinz Struve  Geschäftsführer der Kampagne, im Team mit Christoph Neuß (Leiter Iserlohner Werkstätten) als Leiter der Projektgruppe. Gemeinsam haben die beiden viel auf den Weg gebracht, die unter anderem Auswirkung auf den Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn hatten, wie zum Beispiel die  Einrichtung eines entsprechenden Arbeitsplatzes oder die Begleitung von Großveranstaltungen durch Gebärdendolmetscher*innen. Auch die Barrierefreiheit in den Kirchengemeinden war ein wichtiges Thema. Das erfolgreiche Kampagnenende wurde mit einem großen Fest in Menden gefeiert. Karl-Heinz Struve war ebenfalls mit der organisatorischen Begleitung der Planung und Durchführung des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ in 2017 betraut. Die Vorbereitungen dazu begannen bereits Anfang 2016. Etliche Veranstaltungen im Kirchenkreis und in den Gemeinden fanden in den knapp zwei Jahren statt.

Ein ganz besonderes Event war für ihn der Kirchentag in Dortmund 2019: Pfarrer Struve oblag die Organisation des Messestandes auf dem Markt der Möglichkeiten zum Thema „Barrierefreiheit“. Gern erinnert er sich an die Vorbereitungen dazu: „Es war eine anstrengende, aber schöne Zeit. Vor allem die Begegnungen mit den Menschen in der Messehalle waren sehr inspirierend.“ Die Begegnungen mit den Menschen sind Karl-Heinz Struve eine Herzensangelegenheit: „Sie waren für mich ein Highlight bei allen Großveranstaltungen: mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, der Austausch mit ihnen; die Würdigung des Standes und der Botschaft, die wir vermitteln wollten.“ Nicht nur bei dem Ereignis selbst, sondern auch in den Vorbereitungen dazu hat Pfarrer Struve die Bedürfnisse der Menschen, die er erreichen wollte, stets in den Mittelpunkt gestellt: „Es macht Spaß, solch eine Veranstaltung zu organisieren und zu sehen, dass die Menschen sich über das Ergebnis freuen. Dann hat sich der Einsatz gelohnt.“

Der Jahresempfang der Superintendentin und der „Runde Tisch der Religionen“, anlässlich dessen einst die achtsprachige „Friedens-Steele“ auf dem Rathausplatz aufgestellt wurde, die Beratung der Kirchengemeinden in Bezug auf Fundraising-Strategien oder die Installation des Fundraising-Moduls  „Online-Spende“ sind weitere Beispiele seines Tätigkeitsbereiches.

Karl-Heinz Struve ist in Iserlohn geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur hat er seinen  Zivildienst im Evangelischen Kinderheim absolviert. Dieser Dienst habe ihn stark geprägt, berichtet er im gemeinsamen Gespräch, und  ihm dazu verholfen, sich für seinen heutigen Beruf zu entscheiden: „Und das habe ich bis heute nicht bereut.“, kann der beim CVJM „religiös großgewordene“ Theologe auch heute noch voller Überzeugung bekräftigen. Voller Wärme erinnert er sich an seinen ersten Gruppenleiter beim CVJM, Karl Schreiber, dem er in seiner ersten Zeit im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn überraschend wiederbegegnet ist. Durch seine Arbeit im Öffentlichkeitsreferat bekam er Kontakt zur Johannes-Gemeinde und hat dort auch einige Gottesdienste gehalten. Karl Schreiber war zu der Zeit dort Presbyter. „Es war ein sehr bewegendes Wiedersehen.“, beschreibt Karl-Heinz Struve die Begegnung, „Ein elfjähriger Jungscharler, der nun selbst Pfarrer war und predigte“, das habe sie beide aufrichtig gefreut.

Seine Verabschiedung war ursprünglich als Gottesdienst in der Evangelischen Johanneskirche am Nußberg geplant. In dieser Gemeinde, der er sich persönlich sehr verbunden fühlt, möchte sich der zukünftige Pensionär auch im Ruhestand weiterhin engagieren: durch das Halten von Gottesdiensten, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit und im Fundraising. „Kirchliche Anliegen nach vorn zu bringen in den Medien – Print und digital – und zu zeigen, was Kirche kann und Gutes tut für die Menschen. “ Sein Motto für das gemeindliche Fundraising: „Menschen gewinnen für kirchlich-diakonische Projekte, für die sie Zeit, Energie und Geld einsetzen.“ Da dem leidenschaftlichen Cineasten und Fußballer - verletzungsbedingt seit einigen Jahren leider nur noch als Unterstützer „seines“ HSVs - coronabedingt zurzeit wenig Gelegenheit zur Ausübung seiner Hobbies bleibt, wird sich die Johannesgemeinde über baldige Unterstützung freuen dürfen. Wir wünschen Karl-Heinz Struve alles Gute und Gottes Segen für seinen Ruhestand und weiterhin eine erfüllte Zeit in der Öffentlichkeitsarbeit.

 

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