Ein ehrenvolles Amt

1. Gruppe vor dem Altar Mit Abstand und für das Foto für einen Augenblick ohne Maske:v.l. Pfrn. Mirjam Ellermann, Presbyter Olaf Sadowski, Prädikant Micha Frank, Presbyterin Diana Schöning, Prädikantin Miriam Rose, Pfr. Jürgen Löprich, Pfr. Thomas von Pavel (Assessor in Vertretung der Superintendentin). Foto: Bernhard Laß

Von Bernhard Laß

Natürlich spielt es heute in der großen Stadt Iserlohn keine Rolle mehr, liegen doch für die Menschen dieser Stadt beide Kirchen inzwischen im Zentrum. Aber vielleicht gibt es einen tieferen Sinn in der Tatsache, dass der Gottesdienst zur Einführung der Prädikantin Miriam Rose und des Prädikanten Micha Frank in der Bauernkirche in Iserlohn stattfand und nicht in der Obersten Stadtkirche. Ist sie doch die Kirche in Iserlohn, die einstmals außerhalb der Stadtmauern von Iserlohn lang, die Kirche für das Landvolk und dazu auch ein ganzes Stück tiefer, als die „Oberste“, die von den Bürgern der Stadt besucht wurde. Vielleicht schauten die einen auf die anderen herab und bei einer Pandemie blieben die Tore verschlossen?

Tore offen halten und Grenzen überwinden, diejenigen sehen, „die im Dunkel wohnen“ ist ein Teil ihres Lebens, bei dem der Glaube hilft. Vor allem Menschen auf ihrem Weg aus einer prekären Lebenssituation begleiten und bei beschwerlichen Lebensbedingungen unterstützen, gehört zum Arbeitsalltag von Micha Frank und Miriam Rose.

Als gelernter Erzieher und Diakon arbeitet Micha Frank als Leiter des Sozialzentrums ‚Lichtblick’ der Versöhnungs-Kirchengemeinde, das sich mit einem Schwerpunkt um Menschen am Rande der Gesellschaft kümmert. Mit einem weiteren Anteil seiner Stelle ist er im Jugendzentrum ‚Check-point’ tätig und für die  Kinder und Jugendlichen der multikulturell geprägten Innenstadt da. Gefragt, warum er gerne Prädikant sein möchte, antwortet er: „Ich habe erfahren: Jesus hat für jeden von uns einen Platz und er will, dass wir das wissen. Jeder ist wertvoll und wichtig, egal woher er oder sie kommen und welche Stellung sie bei uns einnehmen.“ Als Sohn eines Pastors einer Freikirche fühlt er sich nach einem wechselvollen Glaubensleben von den unterschiedlichen Glaubensprägungen gut getragen, die ihm ein Fundament geben, auf Menschen zuzugehen.

Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Miriam Rose. Auch sie hat als Kind eines Pfarrers eine recht bewegte Glaubensgeschichte hinter sich, eine große Bandbreite von Gottesferne und Nähe. Heute koordiniert sie als gelernte Heil- und Erziehungspflegerin und Sozialarbeiterin den Familienunterstützenden Dienst der Diakonie Mark Ruhr, Teilhabe und Wohnen gGmbH und arbeitet mit Familien mit Kindern mit geistiger, körperlicher und seelischer Behinderung. Gefragt, warum sie gerne als Prädikantin tätig sein möchte, antwortet sie: „Ich bin begeistert von unserem lebendigen Gott, dem Herrn Jesus Christus und dem Wirken des Heiligen Geistes. Davon will ich reden. Darum engagiere ich mich sehr gerne bei neueren Gottesdienstformaten wie z.B. dem Update, Feierabend bzw. Feiermorgen und hoffe, etwas "frischen Wind" mit hinein bringen zu können. Ich schätze in unserer Gemeinde sehr, miteinander in Vielfalt unterwegs zu sein.“

Und eine Bibelstelle, in der beide ein Kernerlebnis des christlichen Glaubens sehen, ist die Geschichte vom verlorenen Sohn: Bei Gott zu Hause und angenommen sein. Das ist es auch, was Pfr. Thomas von Pavel, Stellvertretender der Superintendentin,  bei seiner Einführungsansprache aufgreift: „Ich spüre bei Ihnen beiden, dass diese Erfahrung, dieses Angenommensein, dass wieder-nach-Hause-kommen dürfen, eine ganz große Motivation für das ist, was Sie ab heute offiziell tun dürfen: Gottesdienst selbst verantwortet feiern, predigen und die Sakramente verwalten. Hier können sie von ihrem Glauben, ihrer Glaubensgewissheit, ihren Gotteserfahrungen erzählen. Und damit, so hoffen sie beide und auch ich, andere Menschen anzstecken und begeistern.“

Und da passt der Predigttext des Sonntags aus dem 1. Kor. 3, 9-17, den sie in ihrer Predigt im Wechselgespräch auslegen, gut.

Denn was kann es schöneres geben, als jemandem zuzusagen, dass er ein Heiligtum ist, über das Gott wacht. Ein Teil des Tempel Gottes, der auf einem soliden, festen Fundament, nämlich Jesus Christus, steht und allen Stürmen standhält. Ein Tempel, der zu einem gemeinsamen Haus Gottes werden und strahlendes Vorbild für viele sein kann, trotz unserer Vielfalt und Unterschiedlichkeit. So Miriam Rose und Micha Frank in ihrer Predigt. So ein Wort zu verkünden, können auch alle Masken dieser Welt nicht verhindern.

Eigentlich sollte es ursprünglich für jede und jeden einen eigenen Einführungsgottesdienst geben, einen in Frühjahr und einen jetzt. Aber die Corona-Pandemie hat der Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch am Ende der Predigt und des Gottesdienstes war es wie eine Fügung, die die zwei mit ihrer Berufung und ihren Auslegungsworten in einem Gottesdienst zusammengeführt hat.

Und trotz Coronakrise wurde es ein festlicher Gottesdienst, zu dem neben den guten Segenswünschen auch die Kirchenmusik mit Geige, (Susanne Oberle), Gitarre, (Bernhard Oberle) Orgel, Klavier (Ute Springer) und Gesang (Susanne Oberle u. Ute Springer) und die in großer Zahl vertretene Gottesdienstgemeinde beigetragen haben.

 

 

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