"Mit offenem Blick für die Menschen"

Pfarrer Matthias Hoffmann (in Bild Nr. 2 mit Ehefrau Cornelia) und Superintendentin Martina Espelöer beim Verabschiedungs-Gottesdienst in Lendringsen; Fotos: Heike Kiefer
Pfarrer Matthias Hoffmann (in Bild Nr. 2 mit Ehefrau Cornelia) und Superintendentin Martina Espelöer beim Verabschiedungs-Gottesdienst in Lendringsen; Fotos: Heike Kiefer

Am 6. September wurde Pfarrer Matthias Hoffmann im Rahmen eines Festgottesdienstes von seiner Gemeinde in Lendringsen und der Superintendentin Pfarrerin Martina Espelöer in den Ruhestand verabschiedet. Der 1987 in Ehningen ordinierte Pfarrer ist seit dem 1. Oktober 1990 im Dienst des Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Superintendentin Martina Espelöer dankte Pfarrer Hoffmann für seine Dienste im Kirchenkreis und in seiner Gemeinde und erinnerte in ihrer Ansprache an gemeinsame Augenblicke in ihrer Amtszeit: „Bei meiner ersten Wahlsynode haben Sie die Andacht gehalten und mich damit gestärkt.“ Sie lobte Pfarrer Hoffmann in seinem Bemühen in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit, der sich auch bei Niederlagen „mit offenem Blick und mit dem Rückenwind des Geistes täglich neu auf den Weg machte, zu den Menschen in Seelsorge, Verkündigung, dem kirchlichen Unterricht und vielen anderen unsichtbaren Situationen“. Auch in Momenten, in denen man hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückbliebe, wie alle erfahrenen Seelsorgerinnen und Seelsorger es schon einmal erlebt hätten.

Schmunzelnd erinnerte die Superintendentin sich an Matthias Hoffmanns Gabe des Erzählens, „Menschen mitzunehmen in Bilder des Alltags“. Zum Beispiel als ausgebildeter Clown 2017 auf dem Abschlussfest der Kampagne „Barrierefreier Kirchenkreis“: „Da sind Sie für uns aufgetreten und haben mein Herz erfreut. Mit Heiterkeit und Leichtigkeit haben Sie durch Ihre Figur eine Geschichte erzählt von Begegnung und Miteinander.“ Diese einfühlsame Verbundenheit mit dem Menschen und dem allzu Menschlichen, zeichne ihn besonders aus, erklärte die Superintendentin und wünschte der Gemeinde und Familie Hoffmann von Herzen alles Gute und Gottes Segen.

 

Bevor Pfarrer Hoffmann 1994 die Gemeinde in Lendringsen übernahm, war er zusammen mit Pastor Stuberg vier Jahre lang „In der Grüne“ tätig. Sein Studium hat er zum Teil im Ausland verbracht: das Jahr an der kleinen, familiären Fakultät in Zürich hat ihn stark geprägt. Noch heute schwärmt Matthias Hoffmann von der Atmosphäre, dem Zusammenhalt, den gemeinsamen Kochstunden und Exkursionen: „Die Gemeinschaft da war klasse! Studium und Leben haben richtig gut zusammengepasst.“ Auch die politischen Unruhen in Zürich hinterließen nachhaltige Eindrücke bei dem jungen Mann: „Das war meine erste und einzige Tränengaswolke.“, erinnert sich Matthias Hoffmann, als wäre es erst gestern gewesen: „Da kann man sich nicht gegen wehren.“ Während des Studiums in Tübingen, in Zeiten der Nachrüstung und Mittelstrecken-Raketen, hat Pfarrer Hoffmann seine Frau kennengelernt. Gemeinsam haben sie im Studentenchor gesungen und 1985 geheiratet und haben zusammen vier Kinder. Die Familie liegt den Eheleuten sehr am Herzen und so wurde Berufs- und Familienleben häufig ein und dasselbe. Zum Beispiel in Zeiten der Kirchenasyle. Über zehn Jahre nahmen sie eine zentrale Stellung in der Arbeit der Kirchengemeinde Lendringsen ein; das längste hat 27 Monate angedauert. Mit großem Engagement, auch seitens Monika Weingärtner-Hermanni und Familie Hoffmann, wurde vieles möglich gemacht und den einzelnen Beteiligten abverlangt. Die Tage fingen morgens früh um 8 Uhr an und hörten abends spät auf. Wenn dann noch ein Kind krank wurde, war an Nachtschlaf nicht mehr zu denken. In Ermangelung einer entsprechenden Einrichtung in der Kirche wurde im Pfarrhaus geduscht – da musste die Familie schon einmal eine Stunde vor der Tür warten. „Das ging schon alles sehr auf Tuchfühlung.“, resümierte Pfarrer Hoffmann in der Rückbesinnung. Eine Geduldsprüfung, die bei einem Sechs-Personen-Haushalt eine große Portion Gelassenheit und Herzblut für die Sache erfordert.

Nach anstrengenden und auslaugenden zehn Jahren war auch für die Kirchengemeinde Lendringsen die Zeit der Kirchenasyle vorbei. Die Flüchtlingsarbeit bleibt allerdings bis heute ein wichtiges Thema. Tauf- und Sprachunterricht, aber auch die Ermöglichung von Gemeinschaft und Integration in das Gemeindeleben, zum Beispiel durch das „Café Eden“ unter der Leitung von Kirchmeisterin Angelika Fröndt oder Petra Hombergs „Biberschlümpfen“, bieten den Geflüchteten, die häufig aus dem Iran stammen, wichtige Unterstützung. Pfarrer Hoffmann freut sich sehr, dass viele von ihnen regelmäßig den Gottesdienst besuchen: „Sie freuen sich auf die Begegnung, auf Gespräche. Wenn es mit der Sprache noch nicht gut klappt – irgendwie kommt man immer zusammen, durch Rätseln oder zum Beispiel durch Übersetzung per Smartphone.“ Auch hier war die eigene Familie häufig mit von der Partie: Cornelia Hoffmann gab den Sprachunterricht, die geflüchteten Familien wurden mit Babywäsche der eigenen Kinder versorgt… Zusätzlich unterstützte Matthias Hoffmann seine Gemeinde durch sein ehrenamtliches Engagement im Jugendhilfeausschuss und im Verein „Aktiv in Lendringsen e.V.“. Als dann im Jahr 2009 eine schwierige und aufreibende Zeit mit Krankheitsfällen im familiären Umfeld begann, waren auch Pfarrer Hoffmanns Kräfte verständlicherweise irgendwann aufgebraucht. Nach harten drei Jahren nahm er eine achtwöchige Reha in Anspruch, aus der er gestärkt und inspiriert hervorging: „Ich fühlte mich wie neugeboren. Die Zeit hat mir einen richtigen Schub gegeben und die Arbeit hat wieder Spaß gemacht.“ Viele Impulse hat er mitgebracht, die er schöpferisch für seine Gemeindearbeit genutzt hat. So wurde zum Beispiel der Kindergottesdienst umgestaltet, meditative Elemente in den sonntäglichen Gottesdienst integriert und ein ganz neues Gottesdienst-Format „Mittendrin“ kreiert. Ursprünglich gedacht für Konfirmanden und ihre Familien wird der Gottesdienst am Sonntagabend mittlerweile von vielen Gemeindegliedern besucht, die das Format schätzen: keine klassische Agenden-Liturgie, sondern eine flexible Mischung aus weltlichen und biblischen Texten, Gebeten, meditativen Impulsen und kreativen Gestaltungselementen. Auch das große Tauffest im Jahr 2011 bleibt Pfarrer Hoffmann noch in guter Erinnerung. Begonnen hatte man gemeinsam am Gut Rödinghausen, in einer Prozession ging es anschließend zu vier verschiedenen Taufstellen. 50 bis 60 Taufen wurden an diesem Tag vollzogen, 10 allein aus Lendringsen.

Dieser Ereignisse wurde auch in den zahlreichen Grußworten gedacht. Superintendentin Martina Espelöer, Klaus Spanke als Vertreter des Presbyteriums, Rudolf Düppe als ehemaliger Bürgermeister der Stadt Menden und Anselm Vedder, der die Innenräume der Kirche als Architekt mitgestaltet hat, sprachen in großer Achtung und Wertschätzung von der Zusammenarbeit mit Pfarrer Hoffmann und dankten ihm für sein gemeindliches,  ökumenisches und bürgerschaftliches Engagement. Ein nachbarschaftlicher Gruß wurde von einer kleinen Abordnung der Gemeinde Balve durch Pfarrerin Antje Kastens überbracht, die dem „stillen Helden“, wie sie Matthias Hoffmann respektvoll bezeichnete, ausdrücklich für die unkomplizierte Zusammenarbeit, gerade auch im Vertretungsfall, dankte. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch die Pianistin Daria Burlak und einen eigens gebildeten Chor einiger Familienmitglieder, die im Anschluss an den Gottesdienst noch ein Konzert in der Kirche gaben.

Pfarrer Hoffmann dankte sichtlich bewegt für die ihm entgegengebrachte Wertschätzung und die Unterstützung die er in Lendringsen erfahren hatte: von seiner Frau, dem Presbyterium, der Gemeinde, der Küsterin Helga Brockmeyer: „Ich danke für ein gutes Miteinander und ich danke Gott, dass er uns getragen, zugemutet und beschenkt hat. Das kann man gar nicht alles in Worte fassen.“

Im Ausblick auf den Ruhestand und den damit verbundenen Umzug resümiert Pfarrer Hoffmann sein Berufsleben noch einmal: „Es war eine volle Zeit. Ich konnte viel von dem tun, was ich wollte und was mir wichtig war. Natürlich auch manches nicht, es gab auch Niederlagen.“ Vielen Menschen in Lendringsen fühlt er sich tief verbunden: „Ich danke der Gemeinde und wünsche ihr von Herzen alles Gute und Gottes Segen, dass Ihr weiter auf den Wegen Jesu Christi geht. Gott befohlen.“

So schwer der Abschied auch fällt, freut sich Ehepaar Hoffmann, der Familie durch den Umzug wieder ein Stück näher zu rücken. Um Langeweile im Ruhestand macht sich Matthias Hoffmann keine Sorgen. Er freut sich darüber, sein handwerkliches Geschick wieder häufiger gebrauchen zu können, zum Beispiel bei zukünftigem Familienzuwachs. Auch für ehrenamtliche Aufgaben sieht er etliche Möglichkeiten, möchte aber zunächst einmal alles ein wenig sacken lassen. Das sei ihm und seiner Frau von Herzen gegönnt.

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