Was die Wohnungslosenhilfe Iserlohn in Corona-Zeiten bewegt

Leiter Ulf Wegmann vor der Wohnungslosenhilfe Iserlohn

Vorstellung des Jahresberichtes 2019

Die Wohnungslosenhilfe Iserlohn hat ihren Jahresbericht 2019 veröffentlicht. Er bezieht sich nicht nur wie gewohnt auf das vergangene Jahr, sondern schildert auch den Umgang und die außergewöhnlichen Umstände, die es für die Einrichtung der Diakonie Mark-Ruhr in der aktuellen Corona-Situation zu meistern gibt.

Die Anzahl der Klienten, die die Beratungsstelle im Zentrum Iserlohns aufsuchen, hat sich mit 754  im Vergleich zum Vorjahr (2018: 740) nicht wesentlich verändert. Ein leichter Rückgang ist bei dem Anteil an Frauen mit 27,3 % (2018: 28,9 %) zu verzeichnen. Ulf Wegmann, Leiter der Wohnungshilfe Iserlohn, begründet die Veränderung mit dem erneut gestiegenen Anteil der Besucher mit Migrationshintergrund (53,7 %), insbesondere mit Fluchthintergrund, die in der Regel männlichen Geschlechts sind. An sich läuft die Beratung mit Frauen weiterhin gut. „Das liegt sicherlich auch an der paritätischen Besetzung im Beratungsbereich.“, erläutert Ulf Wegmann. „Wir gehen auf die Bedürfnisse der Frauen ein und reflektieren immer wieder, mit welchen Angeboten sie sich wohlfühlen.“ Ein sensibler Umgang mit zum Teil traumatischen Vorerfahrungen ist in der Beratung sehr wichtig. 35 % der weiblichen Besucher sind jünger als 25 Jahre, dagegen nur 22,8 % der männlichen. Insgesamt ist der Anteil der unter 30jährigen Besucher mit 40 % im Vergleich zum Vorjahr (2018: 43,4 %) gesunken.

Es gibt viele Wege und Auslöser, die in die Wohnungslosigkeit führen können: Kündigung durch den Vermieter, Räumungen, Arbeitsplatzverlust, Miet- und Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld (z. B. Flüchtlinge), Ortswechsel etc.. Rund 50 % der Fälle entstehen „ohne Kündigungsverfahren“: „Meistens ist etwas in der Familie passiert“, erklärt Ulf Wegmann den allgemein gefassten Begriff. Durch Trennung oder Scheidung zum Beispiel; junge Menschen ziehen zuhause aus, weil die Umstände nicht mehr haltbar sind; Menschen sind unzufrieden mit ihrer Umweltsituation insgesamt; ein unfreiwilliger Gang in die JVA.

Ulf Wegmann bedauert, dass es schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht, ein Migrationshintergrund und ein junges Alter sind Faktoren, die die Suche zusätzlich erschweren können. Daher war die Interkulturelle Öffnung für die Beratungsstelle in 2019, genau wie für die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) ein wichtiges Thema.  Die Mitarbeiter sind bemüht, auch denjenigen Besuchern, die die deutsche Sprache noch nicht einwandfrei beherrschen, ein angemessenes Angebot  zu bieten. So wurden zum Beispiel mit Hilfe eines Übersetzungsbüros mehrsprachige Flyer als Unterstützung für die Beratungsgespräche erarbeitet.

Neben der Beratung, der Postausgabe und verschiedenen  Möglichkeiten zur Versorgung und sozialen Begegnungen bietet die Wohnungslosenhilfe als weiteres wichtiges Angebot das „Ambulante Betreute Wohnen“ an.  Hier werden in der Regel Menschen in ihrem neuen Wohnraum begleitet und unterstützt. Auf Antrag kann in Einzelfällen eine intensive Begleitung beim Prozess der Wohnungssuche bereitgestellt werden, sofern die Unterstützungsmöglichkeiten der Beratungsstelle an sich nicht ausreichen. Ulf Wegmann freut sich sehr über dieses Angebot: „Mit diesem Modell reagieren wir auf die schwieriger werdende Wohnungsmarktsituation.“  Wird der Antrag bei der „Beauftragten Stelle“ des Märkischen Kreises als geeignet eingestuft, kann damit ein Berater oder eine Beraterin die Möglichkeit erhalten, die oder den Wohnungssuchenden in organisatorischen und bürokratischen Dingen, bei Telefonaten oder auch bei den Besichtigungsterminen vor Ort zu unterstützen. „Diese Maßnahme ist sehr erfolgreich und bietet für die Wohnungssuchenden als auch für die Vermieter viele Vorteile.“, führt der Leiter der Wohnungslosenhilfe weiter aus. Für die Wohnungssuchenden stellt oft schon der Zugang zu Telefon und digitalen Medien, die für die Recherche notwendig sind, ein Problem dar und natürlich ist die Begleitung zu den Vor-Ort-Gesprächen immens hilfreich. Auch für die Vermieter ist es eine Beruhigung, einen Fürsprecher und Ansprechpartner bei der Wohnungslosenhilfe zu haben. In der Regel erfolgt die ambulante Betreuung über die Wohnungssuche hinaus bis in die erste „Eingewöhnungsphase“ hinein.

Die aktuelle Corona-Situation brachte auch für die Wohnungshilfe Iserlohn erhebliche Schwierigkeiten mit sich:

- Der Postzugang sollte für die 150 – 180 Klienten weiterhin gewährleitet werden und musste mit einem Schleusen-System versehen und an die Tür verlegt werden.

- Beratung auf Distanz und mit Mund-Nasen-Schutz ist so eine Sache: viel wurde per Telefon oder im Freien erledigt. Mittlerweile sind die Beratungsräume mit Hygiene-Schutzwänden ausgestattet – die Maske wird aber weiterhin benutzt.

- Anträge, z. B. für Hartz IV, mussten weiterhin gestellt werden: „Ich habe noch nie so viel Zeit an einem Faxgerät verbracht.“, stellte Ulf Wegmann schmunzelnd in der Rückbetrachtung fest. „Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter lief insgesamt sehr gut, dafür bin ich dankbar.“ Aber natürlich mussten während des Lockdowns wesentlich mehr Kraft und Zeit in den Zugang seiner Klienten zu finanziellen Mitteln investiert werden. So dauerte ein Erstgespräch statt der üblichen 20 – 25 Minuten nun plötzlich eine gute Stunde. Eigenes Geld zur Verfügung zu haben, ist aber ein wichtiges Thema – nicht nur, aber auch für die Klienten der Wohnungslosenhilfe Iserlohn.

- Versorgungsmöglichkeiten wie Mittagstische u. ä. sind während des Lockdowns weggefallen, viele sind auch immer noch geschlossen.

 

So erwartet die Wohnungslosenhilfe durch die Pandemie erhebliche Folgen für viele Menschen und den Wohnungsmarkt in der Region:

-          Eine Zunahme von Armut durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Folge der wirtschaftlichen Entwicklung.

-          Neue Verschuldung von Haushalten, auch in Bezug auf Miet- und Energieschulden.

-          Spannungen in Familien, die zu Trennungen oder dem frühzeitigen Auszug von Kindern und jungen Erwachsenen führen können.

-          Schwierigkeiten für wohnungslose Menschen, Unterbringungsmöglichkeiten bei Freunden oder Verwandten zu finden oder diese aufrecht zu erhalten. Dadurch erhöhen sich die Unterbringungsfälle für die Kommunen.

-          Zunahme der Konkurrenz am Wohnungsmarkt um bezahlbaren Wohnraum.

-          Den Verlust des Arbeitnehmerstatus zugewanderter EU-Bürger und –Bürgerinnen im Verlauf der ersten fünf Jahre des Aufenthaltes in Deutschland (Arbeitnehmerfreizügigkeit) und dadurch den Entzug der materiellen Lebensgrundlage.

Die Wohnungslosenhilfe Iserlohn, Trift 3 in Iserlohn-Zentrum, bietet eine Offene Sprechstunde von Montag bis Freitag von 10.00 – 12.00 Uhr und Mittwochnachmittag von 13.30 – 15.30 Uhr an; eine Ausnahme bildet der Mittwochvormittag: dieser ist nur für die Postausgabe vorgesehen.

Ansprechpartner für weitere Fragen ist Leiter Ulf Wegmann, Tel. 02371 22099, Mail: ulf.wegmann@remove-this.diakonie-mark-ruhr.de

Wenn Sie die wichtige Arbeit der Wohnungslosenhilfe Iserlohn finanziell unterstützen möchten, freut sich die Diakonie Mark-Ruhr über Ihre Spende (IBAN: DE10 4505 0001 0100 1885 67, BIC: WELADE3HXXX, Verwendungszweck: Wohnungslosenhilfe Iserlohn). Vielen Dank!

 

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