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Reformierte Kirche Iserlohn

NON DORMIT QUI ME CUSTODIT

„Der mich behütet, schläft nicht“

So steht es in der Reformierten Kirche geschrieben. Gute Voraussetzungen für die Zukunft. Bürgermeister Michael Joithe bezeichnete die Reformierte Kirche bei seinem ersten Besuch als das „Wohnzimmer der Fußgängerzone“. Das ehrenamtliche Team der „Offenen Kirche“ nennt sie das „Schatzkästlein“. Denn von außen ahnt man nicht, welche Vielfalt sie birgt:

  • Hier wird Stadtgeschichte sichtbar.
  • Hier redet Kirche mit Politik.
  • Hier kommen Menschen zu anderen Menschen.
  • Hier treffen sich Freunde und Fremde.
  • Hier begegnet Gott den Menschen (zugegeben- nicht nur hier)
  • Hier finden Menschen (leichter) zu Gott.
  • Hier genießen Vorbeikommende einen Moment Ruhe.
  • Hier stellen Künstler ihre Kunst dar und aus.
  • Hier erfreuen sich Kulturfreunde an Musik und Kunst.
  • Hier gibt es ein offenes Ohr.
  • Hier können wir miteinander schweigen und lachen.
  • Hier findet der Mensch wieder Sinn.
  • Hier wird gestaltet und geplant.
  • Hier sind SIE willkommen.
  • Hier kann noch viel mehr geschehen.
  • Jeder Mensch kommt mit seinen Gaben und Inspirationen und bereichert auf diese Weise, be-lebt diese Kirche.

Begonnen hat es ganz bescheiden:

Etwa ab 1525 nehmen die ersten Iserlohner lutherischen Glauben an. 1613 tritt der Landesherr der Grafschaft Mark Kurfürst Sigismund von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern zum reformierten Glauben über. Unter seinem Schutz folgen ihm mehrere Iserlohner Familien. Die Gemeinschaft der Reformierten in Iserlohn wächst, die Versammlungsräume werden zu klein. 1710 sind es etwa 50 Personen.

1710 wird mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses begonnen. Alle Baumaterialien stammen aus „heimischen Gefilden“: Fundament und Mauern werden aus Steinen von Iserlohner Steinbrüchen gebildet. Der Sandstein für die Fenster-, Tür- und Sockeleinfassungen kommt aus Westhofen. Das Holz, auch für die tragenden Säulen, stammt von Eichen aus dem Elseyer Wald.

1712, als Mauern und Dachstuhl gerade fertiggestellt waren, vernichtet der letzte große Stadtbrand von Iserlohn den Bau- mitsamt der dort gelagerten Baumaterialien. Man beginnt von Neuem.

Am 13.  Februar 1718 kann man die Kirche endlich einweihen. Mit der Einweihung tritt die reformierte Gemeinde als selbständiges Mitglied in die Iserlohner Kirchengemeinde ein. Und wird 1931 mit der lutherischen Gemeinde uniert.

Neue Nutzung ab 1978

Von 1978 bis 1980 wird die Kirche renoviert. Die dunklen Bänke weichen einer flexiblen Nutzung des Kirchenraumes. Die Reformierte Kirche ist seither Begegnungsstätte Iserlohns ohne Rücksicht auf konfessionelle Grenzen. Sie ist ein Ort der gemeinsamen Suche nach alten und neuen, wohl unterschiedlichen, aber glaubwürdigen Formen christlicher Begegnung im Feiern und Beten, im Sprechen und Handeln. Sie ist ein Ort, in dem die Menschenfreundlichkeit Gottes auf vielfältige Weise erlebt werden kann – als ein gelungener Versuch der Öffnung für suchende und an Lebens- und Glaubensfragen interessierte Menschen.

Neben Gottesdiensten und Andachten gibt es mehrere hochkarätige Ausstellungen im Jahr, aber auch Lesungen, Vorträge und Gesprächsrunden. Zahlreiche städtische Veranstaltungen im kleinen, feinen Format werden hier durchgeführt, wie Prämierungen aus Wettbewerben, die Verleihung der „Goldenen Eule“. Seit 2019 hat die städtische Weihnachtsmarktkrippe in der Reformierten Kirche „Asyl“ gefunden. Lebensgroße Figuren werden in verschiedenen Szenen gestellt und erfreuen Groß und Klein vom 1. Advent bis Epiphanias (Heilige drei Könige) am 6. Januar. Damit hat es das Team der Ehrenamtlichen in das Fernsehen und bundesweite Tageszeitungen als ganzseitige Berichte geschafft. Die „Marktmusiken“ samstags von Mitte April bis Anfang Juni von 11:15 Uhr bis 11:45 Uhr, durchgeführt von Kirchenmusikdirektor Hanns-Peter Springer und Musikkollegen aller Genre sind weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt und beliebt. Mit Vorfreude erwarten die Besucher die Konzerte von KMD Springer an der Schulze-Orgel aus dem Jahre 1847. (Sie löste die ältere Orgel von 1760 ab.) 1901 wurde sie restauriert. Seit 1994 ist die Orgel nach umfassenden erneuten Restaurierungsarbeiten wieder hergestellt, sodass dieses wertvolle Instrument in seiner ursprünglichen Klangsubstanz aus der Phase des frühromanischen Orgelbaus erneut vielen Menschen Freude bereiten kann.

Das Innere der Kirche

Die Kanzel schwebt zentral über dem Altar, der reformierten Glaubenssauffassung entsprechend, nach der das Wort Gottes Zentrum des Gottesdienstes ist.  Sie wurde 1901 fast völlig erneuert und mit einem Barockaufsatz auf dem Schalldeckel versehen. Der Zugang der Kanzel, der vorher über die Empore geschah, wurde nun durch die Sakristei ermöglicht, die 1901 ebenfalls in die Gasse gebaut worden war. Der Altar stammt aus dem Jahre 1955. Der Taufstein aus Eichenholz wurde 1901 von Konfirmanden gestiftet. Die Taufschale ist eine Stiftung von H. Mevius aus dem Jahre 1866. Die Leuchter unter der Empore lösten 1933 die ältere Gasbeleuchtung ab.

Die Grabsteine an der Südseite (Wermingser Straße = Fußgängerzone), innen neben dem Hauptportal, wurden 1901 stehend eingemauert. Zuvor waren die Familiengruften aufgehoben und die Gebeine in einem Sarkophag in der Südwestseite beigesetzt worden. 1977 fand man unter dem Fußboden der Kirche den Stein, der jetzt neben dem Hauptportal steht und ein Skelett mit Stundenglas und Pfeil zeigt. Er stammt aus dem Jahr 1731. Der älteste Stein ist der des Joan Anton Löbbecke (1730, der vierte von links).

Die Glocke stammt aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts und ist eine Stiftung der Elisabeth zu Megede. Bis 1930 wurde die Glocke von Hand geläutet.

Das Majestätswappen Preußens wurde 1718 aus Dankbarkeit für finanzielle und ideelle Hilfe seitens des Kurfürstens über dem Südeingang (Wermingser Straße) angebracht.

Der Schwan auf der Turmspitze ist in seiner Bedeutung nicht eindeutig. Einerseits wird er als Zeichen des Lebens, des Lichtes und der Auferstehung gedeutet.  Andererseits liegt aber auch die Verbindung zur Schwanenburg nahe, weil von hier aus die Kurfürsten wichtige Entscheidungen zugunsten der Reformierten Gemeinde Iserlohn gefällt haben.

Die Reformierte Kirche ist eine von drei Kirchen der Versöhnungsgemeinde Iserlohn.

Bettina Pelters

Bettina Pelters

Autorin