„Schwarz-rot-gold“

Am frühen Abend schmeißt Marokko den Co-Gastgeber Kanada aus dem Turnier, später folgt dann noch das Spiel Paraguay gegen Frankreich. Ich trage an diesem 4. Juli trotzdem mein Deutschland-Trikot – auch wenn einige mich komisch anschauen: „Deutschland ist doch schon raus!“ Es ist fast ein wenig so, wie mit meiner Fußball-Liebe Borussia Mönchengladbach – gerade nach der Niederlage, zeigt sich meine große „Leidenschaft“ … Darum freue ich mich auch über jede „schwarz-rot-golden“ Fahne, die ich während der Fahrt durch die Stadt noch im Garten hängen sehe.

Der 4. Juli ist ein besonders Datum. An diesem Tag gewann 1954 die deutsche Fußballnationalmannschaft das Endspiel der Weltmeisterschaft sensationell mit 3:2 gegen die favorisierte Mannschaft aus Ungarn. Das Spiel ist als „das Wunder von Bern“ in die Geschichte eingegangen – und war für das kriegszerstörte Deutschland damals weit mehr als ein sportlicher Erfolg: Es gilt als die „echte Geburtsstunde“ der Bunderepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings: Vor zwanzig Jahren, am 4. Juli 2006, verliert das deutsche Team bei der Heim-WM das Halbfinale gegen Italien durch zwei späte Tore in der Verlängerung. Trotz der bitteren Niederlage entfachte das Spiel eine Welle der Sympathie für die junge deutsche Mannschaft um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski – gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren, gemeinsam für „schwarz-rot-gold.“

Im Artikel 22 Absatz 2 unseres Grundgesetz heißt es: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“ Diese Farbgebung ist Sinnbild für Einheit, Freiheit und Demokratie. Einem weltoffenen Deutschland unter dieser Fahne fühle ich mich verbunden. Mit Sorge habe ich darum heute auch nach Erfurt geschaut, wo sich – in Anlehnung an den Reichparteitag des NSDAP vor genau hundert Jahren am 4. Juli 1926 – die Partei getroffen hat, die die Werte eines demokratischen Deutschlands mit Füßen tritt. Ich bin dankbar für alle friedlichen Proteste. Unser Land hat mehr zu bieten als ausgrenzende, demokratiefeindliche und menschenverachtende Politik. Ich bete:

Guter Gott,
stärke alle, die sich für die Demokratie in unserem Land einsetzen.
Wehre den bösen Kräften.
Amen.

Begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer veröffentlichen wir an dieser Stelle eine Reihe von Gedanken und Glaubensimpulsen. Die Idee und die meisten Texte stammen von Gemeindepädagoge Sven Körber. Das WM-Tagebuch können Sie auch unter https://www.instagram.com/evangelisch.in.balve               verfolgen.

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