„Gott ist nahe …“

Neben Deutschland sind auch die Niederland nach ihrer Niederlage gegen Marokko raus aus dem Turnier. Gestern ziehen Norwegen und Frankreich ins Achtelfinale ein, Mexiko folgt ihnen in der Nacht. Am Abend findet das nächste Spiel statt …

… aber das ist heute Nebensache. Ich bin erschrocken und fassungslos über die schwere Gewalttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung am Montagmittag im niedersächsischen Stade, bei der sechs Menschen getötet wurden. Mir fehlen auch noch zwei Tage später die Worte. In den sozialen Medien stoße ich dazu auf einen Beitrag bei „Kirche im NDR“:

„In der Bibel gibt es einen Psalm, in dem steht: ‚Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.‘ Der Satz erklärt mir nicht, warum Menschen sterben mussten. Er macht die Tat nicht kleiner. Die Wut und die Not und die offenen Fragen – die bleiben.
Aber der Satz aus der Bibel lenkt meinen Blick in eine offenere Richtung: Gott ist nicht zuerst bei den schnellen Deutungen oder den lauten Kommentaren. Und auch nicht bei denen, die zu wissen glauben, was da jetzt wieder alles bewiesen sei.
Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind. Er ist bei den Angehörigen, für die eine Welt zerbrochen ist. Bei denen, die in Sorge waren oder sind, ob jemand überlebt. Bei den Menschen, die helfen wollten und es dann doch nicht konnten.
Als Christ muss ich nicht immer das Unfassbare sinnvoll reden. Da ist auch Raum für Klage und für Tränen. Und für den Satz: Ich verstehe das nicht.
Und ich kann beten. Für die Toten. Für die Verletzten. Für die Angehörigen. Für alle, die geholfen haben. Für die Ermittlerinnen und Ermittler, die jetzt sorgfältig arbeiten müssen. Für Stade.“

Die Worte des Radiopastors Heiko von Kiedrowski berühren mich – und ich schlage meine Bibel auf, lese noch einmal Psalm 34,19: „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ Ich denke heute an Stade, aber auch an die vielen Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen, die Mitarbeitenden in anderen Jugendhilfeeinrichtungen, die sich fragen: Hätte das auch meine Einrichtung sein können? Ich bete:

Herr, erbarme dich!
Sei du in der Not nahe.
Amen.

Begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer veröffentlichen wir an dieser Stelle eine Reihe von Gedanken und Glaubensimpulsen. Die Idee und die meisten Texte stammen von Gemeindepädagoge Sven Körber. Das WM-Tagebuch können Sie auch unter https://www.instagram.com/evangelisch.in.balve              verfolgen.

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