„Es wird regiert.“

Während die meisten von uns noch schlafen, gelingt mitten in der Nacht dem US-Team mit einem 4:1 gegen Paraguay ein furioser WM-Start. Die Zeitverschiebung ist groß, in Deutschland sind wir der Zeit am Spielort Los Angeles neun Stunden voraus. Morgens freue ich mich über ein Tor von Giovanni Reyna, der auch bei „meiner“ Borussia spielt. Und ich lese, dass sich US-Präsident Donald Trump das Spiel nicht live vor Ort angeschaut hat. Vielleicht bereitet er sich auf seinen „Ehrentag“ vor: Morgen, am 14. Juni feiert er seinen 80-igsten Geburtstag. Vielleicht wollte er auch nicht wieder ausgebuht werden, so wie noch vor einigen Tagen als er in New York bei einem Basketballspiel der NBA-Finals anwesend war.

Die Politik seiner Regierung sorgt für immer größere Diskussionen. Selbst US-Coach Mauricio Pochettino positioniert sich: „Fußball vereint Menschen aller Kulturen, Religionen, Hautfarben. Unsere Verantwortung ist es, zu verbinden – nicht mehr Hass zu erzeugen.“

Dabei muss ich als Christ auch an den großen Schweizer Theologen Karl Barth denken. In meinem Bücherregal stehen einige seiner Bücher – und davor, wie passend in diesen Tagen, eine kleine Nachbildung des FIFA-WM-Pokals. Am Abend vor seinem Tod im Dezember 1968 telefoniert Barth noch mit einem alten Freund und bleibt im Gespräch über die politisch beunruhigende Weltlage doch zuversichtlich: „Ja, die Welt ist dunkel. Aber nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganze Völkerwelt! Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns und uns alle miteinander nicht. Es wird regiert.“

Heute Abend spielt die Schweiz gegen Katar. Fußball ist schön. Aber da gibt es noch mehr: Gott hält uns in seiner Hand. Ich bete:

Guter Gott,
lass mich darauf vertrauen: Es wird regiert.
Du bist da – für mich, für uns, für diese Welt.
Amen.

Begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer veröffentlichen wir an dieser Stelle eine Reihe von Gedanken und Glaubensimpulsen. Die Idee und die meisten Texte stammen von Gemeindepädagoge Sven Körber. Das WM-Tagebuch können Sie auch unter https://www.instagram.com/evangelisch.in.balve   verfolgen.

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