„Da mache ich nicht mit.“

Deutschland diskutiert über das frühe Aus. Auch Superintendent Oliver Günter macht sich Gedanken – im Garten mit seinem Hund:

Diesmal war es keine Laola-Welle durchs Stadionrund, sondern eine Welle der Empörung rollt über Deutschland hinweg.

Bundestrainer Nagelsmann, ein peinlicher Versager, der nicht zu seinen Fehlern steht.

Fußballexperte Schweinsteiger, ein Rassist, weil er vom „wilden afrikanischen“ Fußball fabuliert.

Bundeskanzler Merz, ein Realitätsverweigerer, der keine Ahnung hat, was wirklich los ist oder seinen Laden nicht im Griff hat.

Und überhaupt: Stolz kann im Moment keiner sein. Alles geht den Bach runter. So schlecht, wie Deutschland Fußball spielt, so unfähig ist unsere Regierung, so miserabel ist unsere Infrastruktur, unser Bildungssystem. Und wer ist Schuld an allem? Die Medien. Die Migranten. Trump. Putin. Die da oben. Wer auch immer: in jedem Fall die anderen.

Alle sind irgendwie empört, frustriert, resigniert, gestresst, fertig.

Plötzlich kommen sie alle aus ihren Ecken, um es besser zu wissen, um anzuklagen, draufzuhauen, sich zu echauffieren, aufzuregen. Eine Welle der Empörung geht um die Welt.

Da mache ich nicht mit.

Ja, die Leistung unserer Jungs war enttäuschend. Absolut. Aber davon geht die Welt nicht unter.

Ja, Schweinsteiger ist nur bedingt als Fußballexperte medientauglich. Sein Statement ist zu kritisieren. Aber ein Rassist ist er keineswegs.

Ja, der Kommunikationsstuff von Merz hat einen Fehler gemacht. Kann passieren, darf aber nicht passieren. Aber lassen wir doch bitte die Kirche im Dorf.

Wir sollten gut überlegen, in welches Horn wir blasen. Ich werde nicht auf dieser Empörungswelle mitsurfen. Weil sie keinem hilft und nicht guttut.

Ich möchte ehrlich sein. Natürlich. Fehler sind Fehler und Niederlagen sind Niederlagen. Aber Fehler sind selten die ganze Geschichte. Mir fällt auf, dass Jesus selbst selten bis gar nicht Empörungsstories geteilt hat. Er hat Erfolgsgeschichten erzählt. Geschichten voller Liebe. Geschichten von gelingender Gemeinschaft. Versöhnungsgeschichten. Geschichten vom Neuanfang. Geschichte der Hoffnung. Geschichten, die berühren.

Jede Welle beginnt klein, bevor sie wächst. Also lasst uns anfangen, solche Wellen wachsen zu lassen, die uns Freude machen und Geschichten erzählen, die uns nach vorne bringen.

Guter Gott, schenke uns einen ehrlichen Blick für die Realitäten und einen offenen Blick für Möglichkeiten, das Leben gut zu meistern. Danke, dass du Versöhnung stiftest und neue Anfänge ermöglichst. Amen.

Begleitend zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer veröffentlichen wir an dieser Stelle eine Reihe von Gedanken und Glaubensimpulsen. Die Idee und die meisten Texte stammen von Gemeindepädagoge Sven Körber. Das WM-Tagebuch können Sie auch unter https://www.instagram.com/evangelisch.in.balve               verfolgen.

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