Von Rissen und Überfließen – Vikar Jannis Graf in Schwerte verabschiedet

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt Jannis Graf die evangelische Kirchengemeinde Schwerte. Am 31. März ging sein Vikariat dort zu Ende, ab dem 1. April begann er nunmehr seinen sogenannten Probedienst in der evangelischen Kirchengemeinde Menden. Ein vorerst letztes Mal predigte Graf am letzten Sonntag im März bei seiner Verabschiedung in St. Viktor.

Mit dem Vers aus dem Markus-Evangelium 14,8 „Sie hat getan, was sie konnte…“ leitete Jannis Graf seinen Abschiedsgottesdienst ein und erläuterte, dass es um die Momente des Überfließens gehen sollte und dass auch durch den Palmsonntag an sich ein Riss geht.

Ein vorerst letztes Mal übernahm Graf dann auch die Predigt in St. Viktor. Auch dabei drehte sich alles um Risse. Zunächst ging er darauf ein, wie er persönlich ein Geschenk auspackt. Die einen reißen das Papier auf, die anderen machen es vorsichtig auf.
Anschließend schwenkte er den Blick nach Jerusalem. Dort zog Jesus seinerzeit an Palmsonntag feierlich in die Stadt, in der er später starb, ein. Der Jubel stand unter dem Zeichen des Karfreitags in einem anderen Licht. Als Jesus dann im Haus des Simons des Aussätzigen in Betanien zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. Während einige dies vielleicht als Verwendung sahen, wurde so der Leib Jesus im Voraus gesalbt, wenngleich sich der Sinn der Salbung erst im Nachhinein erschließt. Es war ein Moment des Überfließens.

Ebendiese Momente erlebte Graf nach persönlicher Aussage auch in seinem Vikariat. Anschließend zählte er seine individuellen Höhepunkte des Vikariats auf und verdeutlichte zum Abschluss seiner Predigt, dass ein Riss nicht das Ende bedeute, sondern auch ein Anfang sein könne.
Jeder Gottesdienstbesucherin und jedem Gottesdienstbesucher am Palmsonntag wurde Koriandersamen überreicht, und vielleicht gedeiht daraus eine Pflanze und ein neuer Anfang ist gemacht.

In den zweieinhalb Jahren in der Gemeinde lernte Jannis Graf, der in Heidelberg und Wuppertal studierte, die unterschiedlichen Gemeindebereiche kennen. Es war neben den vielen Impulsen des Studiums in Wuppertal eine bunte und reiche Zeit. Graf hatte während dieser Zeit die Gelegenheit, sich selbst auszuprobieren.

Die offizielle Verabschiedung von Vikar Jannis Graf übernahm Pfarrer Hartmut Görler. „Wir werden dich vermissen“, so Görler, der besonders Grafs gute Laune, seine Pünktlichkeit sowie sein Engagement lobte. Gott habe in ihm ein gutes Werk angefangen. „Danke, dass du hier warst“, mit diesen Worten sprach Görler sicherlich vielen Schwertern aus dem Herzen. Für seine neuen Aufgaben sprach er Graf anschließend Gottes Segen zu.

„Ich blicke sehr dankbar und mit viel Freude auf meine Ausbildungszeit in Schwerte zurück“, so Graf, der fortfuhr: „Vielen Dank, dass ich teil dieser Gemeinde sein durfte.“ Ein Dank ging natürlich ebenfalls an die Familie, die immer hinter ihm steht, und alle bisherigen Wegbegleiter.

Für die musikalische Untermalung zeichnete sich einerseits der Posaunenchor aus, andererseits spielte Uwe Schiemann an der Orgel Leonhard Cohens „Anthem“, in dem es passend „There is a crack in everything – that’s how the light gets in“ hieß. Zu seiner Verabschiedung wünschte sich Graf, der im Posaunenchor auch an der Tuba zu hören war, nach eigener Aussage mit „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ zudem einen „Evergreen mit Wumms“.

Bei einem kleinen Empfang im angrenzenden Martin-Luther-Saal hatten Wegbegleiter und Gemeindemitglieder dann noch einmal Gelegenheit, sich persönlich von Graf zu verabschieden. Pfarrer Hartmut Görler überreichte im Namen der Kirchengemeinde einen Präsentkorb.

In der evangelischen Kirchengemeinde Menden begann Graf direkt mit dem Probedienst. Vor Ort soll er insbesondere Synodalassessor Pfarrer Thomas von Pavel entlasten. In der Osternacht wurde der gebürtige Hagener Graf an seiner neuen Wirkungsstätte vorgestellt.

Im vollen Vertrauen auf Gott macht sich Graf bestärkt durch seinen Lieblingsbibelvers Josua 1,9 „Habe ich dir nicht befohlen: Sei mutig und stark? Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wo du unterwegs bist.“ an die neuen Aufgaben.

Text und Foto: Annabell Brock

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