Verabschiedung von Pfrn. Liebegard Kuhn aus dem Schuldienst

Nach gut 24 Jahren im Schuldienst wurde Pfrn. Liebgard Kuhn am Sonntag in einem feierlichen Gottesdienst an der Obersten Stadtkirche zu Iserlohn vom Superintendent Pfr. Oliver Günther und Team entpflichtet und verabschiedet. Die Liturgie leitete ihr Gemeindepfarrer Dirk Ellermann.

Als sie 2002 nach ihrer gelungenen Bewerbung die Pfarrstelle für den Religionsunterricht am Berufskolleg in Menden im Kirchenkreis Iserlohn antrat, waren 12 Pfarrstellen an vier Berufskollegs in Menden, Iserlohn und Hohenlimburg besetzt. Mit ihrem Eintritt in den Ruhestand sind es nur noch drei. Wie in vielen Bereichen ist auch hier der Strukturwandel in der Kirche deutlich zu spüren. Doch eine Wiederbesetzung der Stelle ist in Aussicht gestellt.

Abschied aus der „nebenbei“ Gemeinde

Simone Meier, Presbyterin der Versöhnungs-Kirchengemeinde, der die Pfrn. Liebgard Kuhn zugeordnet war, bedankte sich bei Ihrer Begrüßung für all das Gute und Schöne, dass die Gemeinde durch das Engagement der Pfarrerin über den Schuldienst hinaus vor Ort erleben durfte. Doch zum Glück gäbe es nicht nur den dankbaren Blick zurück, sondern die Freude über ihre Ankündigung auch in Zukunft der Gemeinde und der Stadt treu zu bleiben.

Treu bleiben wird sie auch dem Popchor „RiSE UP!“ der Versöhnungskirchengemeinde unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans-Peter Springer, der den Gottesdienst konzertant bereicherte und dem sie seit viele Jahren angehört.

Ein offenes Pfarrhaus, ein vielfältiges Engagement, weit über die „Pflicht“ hinaus und die Arbeit im Team war in all den Jahren ein Kennzeichen von Liebgard Kuhn, die ihren tiefen Glauben in die Tat umsetzte.

„Jesus, geh voran auf der Lebensbahn“

Das griff auch Superintendent Pfr. Oliver Günther in seiner Ansprache auf. Denn der Haupt-Teamplayer im Leben von Liebgard Kuhn ist und war Jesus.

„Am Anfang und am Ende deines Dienstes in der Kirche … Jesus!  Er sagt: ‚Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.‘ Eine Ansage, die zugleich eine Verheißung ist. Jesus sagt: Ohne mich ist alles, was ihr tut, vergeblich. Ohne mich – keine Relevanz. Du allein – kein Erfolg … keine Frucht. … Jesus sagt: Du und ich – ein Team – ich in dir und du mit mir! Fette Ernte. Reife Früchte. Übervolle Körbe.“

„Ob ich viel Frucht gebracht habe, weiß ich selber gar nicht,“ hatte Pfrn. Liebgard Kuhn mal gesagt und der Superintendent antwortet: „Das musst du auch nicht wissen. Die Verheißung genügt. Christus verspricht es, sagt es zu: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Ganz ohne Konjunktiv.“

„Der (die) bringt viel Frucht“

Die hat Liebgard Kuhn, auch wenn sie sehr zurückhaltend bei der Bewertung der Früchte ist, gewiss vielfach gesät. Doch nur selten ist es den Lehrerinnen und Lehrern am Berufskolleg vergönnt, die Früchte, die sie in die Schülerinnen und Schülern während des Religionsunterrichts gesät haben, nach ihrem Abschluss und Weggang zu erleben.

Aber wie wichtig die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern ist, gerade bei den sich verändernden Wertesystemen, religiöser Vielheit, und Traditionsabbrüchen bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, machte Superintendent Günther deutlich: „Junge Menschen fragen nach Werten. Sie suchen nach Halt, nach Spiritualität, nach Orientierung. Nach Gewissheit. Und Verlässlichkeit. Nach Verantwortung. Der Religionsunterricht am Berufskolleg bietet einen geschützten Raum, zentrale Lebensfragen zu stellen und gemeinsam nach Antworten zu suchen, wie wir friedlich und in kultureller Vielfalt zusammenleben können, zusammenhalten und uns gegenseitig stärken, das Spalten überwinden und wieder zu einer Gesellschaft zusammenfinden. Jesus hätte seine wahre Freude an diesen Themen mit uns in einen Diskurs einzusteigen. Wer in mir bleibt, bringt viel Frucht.  …  Ich danke dir für deinen Dienst! In unserer Kirche. In einem nicht leichten Umfeld. Für deine Gaben, junge Menschen zu begleiten und zu unterrichten und ich wünsche dir für deine neue Lebensphase: Zeit für dich selbst, Zeit für Enkel! Zeit für Versöhnung! Zeit für das, was dich erfüllt und dir das Älterwerden leicht macht und die Gelassenheit, weiter der Verheißung mehr zuzutrauen als dir selbst: Wer in mir bleibt, der bringt viel Frucht. Amen.

Dank aus dem Team der RU-Kolleginnen

Daran konnte auch Pfrn. Ellen Gradtke, Bezirksbeauftrage des Kirchenkreises Iserlohn für den Ev. Religionsunterricht am Berufskolleg, bei der gemeinsamen Entpflichtung anknüpfen: „Du hast die meiste Zeit deines Dienstes als Pfarrerin in der Schule wahrgenommen. Du hast unterrichtet, junge Menschen gebildet, sie begleitet, mit ihnen die wirklich zentralen Lebensfragen bedacht.
Du hast erspürt, was dran ist, welcher Zuspruch des Evangeliums gebraucht wird, welche Perspektive des Himmels hilfreich sein könnte, welche Weisung notwendig ist, welcher Impuls Menschen weiterbringt. … Wir sind dankbar für Deinen Dienst, für dein Wirken, für dein Hiersein, für deine Treue. Mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnt für dich eine neue Lebensphase. Du darfst nun loslassen. Zur Ruhe kommen. Langsam. Schritt für Schritt. Tag für Tag. Und Neues wagen. Tun und Lassen, was Du möchtest. Kein Stundenplan wird mehr deinen Tag diktieren.“

Einmal Pfarrerin, immer Pfarrerin

Und dennoch bleibt Liebgard Kuhn als Pfarrerin berufen zu predigen, zu taufen und die Feier des hl. Abendmahls zu leiten, wo immer ihr Dienst erwünscht ist und wo immer sie sich zur Verfügung stellen möchte. Daran erinnerte der Superintendent, bevor er auch betonte: „Du bist aber nun frei von deinen dienstlichen Pflichten als Pfarrerin im Ev. Kirchenkreis Iserlohn.“

„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan!“ (PSALM 103,2)

Überschrieben von dem Psalmvers hatte Pfrn. Liebgard Kuhn zuvor gepredigt. Es war ein ganz persönlicher Rück- und Ausblick auf ihr Leben, für das sie Gott an dieser Stelle danken und ihn loben wollte, weil er ihr so viel Gutes getan hat.

Inhaltlich stimmig und musikalisch hervorragend eingerahmt wurde die Predigt vom Chorgesang mit einem Solo von Julia Heller und am Flügel begleitet von Kirchenmusikdirektorin Ute Springer.  Eingangs sang der Chor das Lied: „Lobe den Herrn meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen“ und nach der Predigt das Lied: „Herr, Deine Gnade“.

Eine Erkenntnis auf einer Tagung brachte die Eckpunkte hervor, auf die Pfrn. Kuhn ihre Predigt aufbaute. In sechs Minuten sollten alle eine Überschrift für ihr persönliches Leben finden. Bei ihr wurden es fünf Begriffe, an denen sie ihr Leben von ihrer Kindheit auf Sri Lanka über Studium in Deutschland, Gemeindepfarramt in Iserlohn, Ehe, Kinder und dem Schuldienst am Berufskolleg entfalten konnte:

Geführt. Gestillt. Gerufen. Gehalten. Geliebt.

Als eher zurückhaltender, schüchterner Mensch, mit einigen Selbstzweifeln, durfte sie in ihrem Leben immer wieder die Erfahrung machen, dass in entscheidenden Momenten Gott seine Hand über sie gehalten, Wegmarken durch Menschen gesetzt hat, denen sie nachgegangen ist und ihr so neue Wege eröffnet wurden. Und da sie nun runter von der „Autobahn“ ist, wird sie in Zukunft kleine Gässchen nehmen, langsam, aber zum Lobe Gottes.

„Verzichten auf Dich, ungern!“

Wie engagiert Pfrn. Kuhn ihre Arbeit am Berufskolleg erfüllt hat, darüber konnte Michael Boeck, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Verwaltung am Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn in seinem Grußwort beim anschließenden Empfang im Lutherhaus berichten. Recht formal beschrieb er ihre Tätigkeit: „Sie hat das Fach würdig, fachlich wie didaktisch vertreten und war an unserer Schule eine gute Seelsorgerin“, bevor er mit lobenden Worten auf die persönliche Beziehung zu der „liebenswerten und netten Kollegin“ kam, auf die er nur ungern verzichtet. Dabei wies er darauf hin, wie unersetzlich das Fach Religion an der Schule und auch das einzige Unterrichtsfach mit Verfassungsrang überhaupt ist, das Halt, Orientierung und Werte vermittelt und sich dem Hass, dem Radikalismus entgegenstellt und für Frieden, Miteinander, Liebe und Versöhnung eintritt, wie es Liebgard Kuhn vielfach getan hat.

Neben weiteren Grußworten, die Stichworte wie Ermutigerin, Trösterin, Zufluchtgeberin mit goldenem Herz enthielten, hatten die vier Kinder von Liebgard Kuhn ihr ein liebevolles Märchen geschrieben, das der älteste Sohn Micha, sitzend auf einem dazugehörenden Ohrensessel vortrug und noch einmal deutlich machte, welch liebevolle Mutter und Frau sie ist.

Auch ein „Geheimnis“ wurde an diesem Tag gelüftet. Denn Liebgard Kuhn hat sich in den letzten Jahren immer mehr mit der Vogelkunde beschäftigt und wird ihr Hobby nun noch weiter vertiefen.

Text und Fotos: Bernhard Laß

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