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Kirche braucht Menschen vor Ort

Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn berät Transformationsprozess

Der umfangreiche Transformationsprozess „KKIS2030“ stand bei der Tagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn am Samstag, 30. Mai, erneut im Fokus. „Wir müssen jetzt handeln“, sagte Superintendent Oliver Günther und machte damit erneut die Dringlichkeit der Aufgabe deutlich. Im Rahmen eines Workshops hatten die Synodalen die Gelegenheit, ganz konkret an einem Zielbild für die anstehenden Veränderungsprozesse zu arbeiten.

Eröffnet wurde die Frühjahrssynode um 8.30 Uhr mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Obersten Stadtkirche. Pfarrer Dominic Faisca Martins und Gemeindepädagoge im IPT Jörg Chilla gestalteten einen pfingstlichen Gottesdienst, musikalisch begleitet von Blechbläsern des Kirchenkreises unter der Leitung von Kreiskantor Hanns-Peter Springer. Dominic Faisca Martins rief in seiner Predigt zu Mut und Vertrauen auf Gott auf, was einen passenden Übergang zum Hauptthema des Tages bildete: Dem Transformationsprozess.

Die Transformation umfassend und von ihrem Ergebnis her zu denken und dabei auf ein verlässliches, profiliert-vielgestaltiges und wirksames kirchliches Leben hinzuarbeiten, das hatte die Synode, das höchste und wichtigste Leitungsgremium des Kirchenkreises, bereits bei ihrer Herbstsynode beschlossen. Doch wie kann das im Kirchenkreis Iserlohn konkret aussehen? Mit dieser Frage sollte sich nun die Frühjahrssynode befassen.

Unter den Gästen war auch Landeskirchenrat Dr. Hans-Tjabert Conring. Der Ortsdezernent sprach ein Grußwort für die Evangelische Kirche von Westfalen und berichtete von den Entwicklungen in Bielefeld. „Wir haben uns auch als Landeskirche weitgehend neu aufgestellt“, berichtete Conring. Unter der neuen Präses wolle man stärker auf die strategischen Entwicklungen schauen. „Wir müssen professioneller werden“, konstatierte Conring und fügte hinzu, dass der Kirchenkreis Iserlohn aus seiner Sicht bereits auf einem guten Weg sei.

Anschließend stand der Bericht des Superintendenten an. „Ohne die Menschen vor Ort wird Kirche niemals funktionieren“, stellte Oliver Günther klar. Deshalb könne es in der ev. Kirche auch keinen top-down-Masterplan geben. Der Prozess müsse gemeinsam gestaltet werden. Für eine gelungene Transformation definierte der Superintendent schließlich vier Kriterien:

„Als Glieder an dem einen Leib Christi gelingt es uns, eine Grundhaltung des Vertrauens durchzuhalten.“

„Konsolidierung und Sanierung gelingen auf allen Ebenen.“

„Menschen vor Ort machen neue Kirchengestalt zu ihrer Sache.“

„So viel Kirche vor Ort wie möglich!“

Dr. Björn Corzilius, Gemeindepfarrer in Lendringsen, stellvertretender Synodalassesor im Kreissynodalvorstand und Mitglied der Steuerungsgruppe, die im Auftrag der Synode an der Transformation arbeitet, leitete anschließend zur Workshop-Phase über. „Transformation beginnt auf dem Boden unserer Tatsachen. Und sie muss sich doch zugleich von ihnen lösen und über sie hinausweisen“, sagte Corzilius. Gemeinsam mit dem Institut für Kirche und Gesellschaft wurde der Workshop entworfen, um zunächst an einem Zielbild zu arbeiten und mutig zu träumen, wie kirchliches Leben in Zukunft aussehen kann. „Wagen wir den Iserlohner Aufbruch“, warb Corzilus, „Machen wir uns gemeinsam ein Bild, dass eine Geschichte von morgen erzählt und uns die Zukunft erschließt. Das ist unser Ziel. Da wollen wir hin.“

In sechs Gruppen fanden sich die Synodalen dann zusammen, um sich nach der Methode der „Empathy Maps“ in die Kirche der Zukunft hineinzuversetzen. Begleitende Leitfragen waren dabei: Für wen sind wir Kirche? Wer sind wir als Kirche? Was sind unsere Identifikationspunkte für Herz & Seele? Dass es weniger Ressourcen geben wird und die Zusammenarbeit über aktuelle Grenzen hinausgehen wird, waren weitere Leitplanken für das Gedankenspiel. Es sollte jedoch ausdrücklich die Möglichkeit geben, frei zu überlegen und sich nicht an Bestehendem orientieren zu müssen.

Nach der einstündigen Arbeitsphase wurden die Ergebnisse durch die sechs Moderator:innen präsentiert. Von praktischen Fragen wie der Erreichbarkeit über die Gestaltung von Gottesdiensten und Ideen wie Eventkirchen bis zu grundlegenden Themen wie dem theologischen Fundament wurden zahlreiche Facetten bedacht und besprochen. „Ehrenamtliche können mit Freude ihre Ideen verwirklichen“, formulierte eine Gruppe einen Wunsch, „Wir gehen zu den Menschen, wo sie sind“, eine andere. Auch über die öffentliche Wahrnehmung und die Relevanz der Kirche der Zukunft wurde nachgedacht.

„Die praktische Arbeit in den Gruppen und das Zusammentragen der Ergebnisse haben uns wirklich weitergebracht“, fasste Superintendent Oliver Günther anschließend zusammen. Die Resultate werden vom Institut für Kirche und Gesellschaft nun zusammengefasst. Am 22. September ist ein weiterer Workshop-Tag geplant, an dem ausführlich daran weitergearbeitet wird.

Nach Berichten von Verwaltungsleiter Bernd Göbert zu der Arbeit der Verwaltung und von dem kaufmännischen Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, Volker Holländer, zur Gründung einer Diakoniestiftung und einer Kita gGmbH, ging die Synode mit einem Segen von Pfarrer Emmanuel Boango und einem Lied aus dem Kongo zu Ende. Die Kreissynode tagt das nächste Mal am Freitag, 13. November.

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