Islamischer Religionsunterricht: Warum fehlt er in Iserlohn?
Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es in Nordrhein-Westfalen einen staatlich verantworteten islamischen Religionsunterricht. Doch während die Nachfrage nach qualifizierten Lehrkräften steigt, gibt es in manchen Städten – darunter Iserlohn – noch immer keine islamische Religionslehrerin oder keinen Religionslehrer. Woran liegt das?
Von der Islamkunde zum regulären Unterrichtsfach
Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in NRW war ein langer Prozess. In den 1990er-Jahren gab es an Schulen zunächst nur muttersprachlichen Unterricht auf Türkisch, der auch religiöse Inhalte vermittelte. 1999 folgte das Fach „Islamische Unterweisung“, eine Art Islamkunde, die den Schülerinnen und Schülern Basiswissen über ihre Religion vermittelte. Der entscheidende Schritt kam 2013: Seither gibt es in NRW einen regulären islamischen Religionsunterricht, der vom Land verantwortet und pädagogisch begleitet wird.
Lehrer dringend gesucht
Die Ausbildung islamischer Religionslehrkräfte läuft auf Hochtouren. Wie Dr. Ahmet Arslan von der Fachstelle Islamische Religionspädagogik in Villigst berichtet, ist die Nachfrage an Schulen deutlich größer als das Angebot an Lehrkräften. Wer sein Studium abschließt, findet in der Regel sofort eine Anstellung. Islamische Lehrkräfte erhalten – ähnlich wie evangelische oder katholische Religionslehrkräfte – eine besondere Lehrerlaubnis. Während Christen die „Vokatio“ (evangelisch) oder „Missio“ (katholisch) benötigen, wird Muslimen die sogenannte „Icasa“ (gesprochen: Idschasa) von den islamischen Gemeinden erteilt.
Islamunterricht stärkt interreligiösen Dialog
Pfarrer Bernd Neuser, der mit Dr. Arslan im Gespräch war, betont die Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts für die Gesellschaft. Muslimische Lehrkräfte leisten einen wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog, indem sie den Islam in deutscher Sprache unterrichten und mit dem Alltag der Schülerinnen und Schüler verknüpfen. Gleichzeitig zeigen sie, wie ein reflektierter, praktizierter Glaube im gesellschaftlichen Miteinander gelebt werden kann.
Schon in den 1990er-Jahren hatten sich sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland als auch die Deutsche Bischofskonferenz für den islamischen Religionsunterricht eingesetzt. Nun geht es darum, das Angebot weiter auszubauen. Doch in Iserlohn bleibt die Frage offen: Warum gibt es hier noch immer keine islamische Religionslehrkraft?







