Festakt zum Abschluss der Sanierung von St. Viktor

Schwerte als Vorbild für gelingende Transformation. Prominente Gäste loben die Arbeit der Kirchengemeinde über zwei Jahrzehnte.    

Mit einem prominent besuchten Festakt feierte die Evangelische Kirchengemeinde Schwerte den Abschluss der Sanierungsarbeiten an der St. Viktor Kirche in eben dieser. Verantwortliche aus Kirche, Politik und Gesellschaft sowie die an den Arbeiten beteiligten Expertinnen hoben die Bedeutung der Marktkirche hervor und lobten die Kirchengemeinde für die mutige und professionelle Umsetzung des umfangreichen Projekts.

Es begann im Jahr 2008, als die Evangelische Kirchengemeinde Schwerte die wegweisende Entscheidung traf, die Gemeindebezirke aufzugeben und sich stärker auf die Mitte zu konzentrieren. „Was fehlte, waren die baulichen Voraussetzungen“, erinnerte Pfarrer Hartmut Görler, der als Moderator durch den Festakt führte. Fast zwei Jahrzehnte später stehen nun das moderne Gemeindehaus und die innen und außen sanierte St. Viktor Kirche und haben Strahlkraft, weit über Schwerte hinaus. Das mache Hoffnung in dieser herausfordernden Zeit, sagte Superintendent Oliver Günther – „Wir dürfen uns die Schwerter Geschichte erzählen.“

In einer ersten Talkrunde im Altarraum begrüßte Hartmut Görler neben dem Superintendenten weitere prominente Gäste: Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen; Heinrich Böckelühr,  Regierungspräsident des Bezirkes Arnsberg und früherer Bürgermeister der Stadt Schwerte; Oliver Kaczmarek, Mitglied des Bundestages für den Kreis Unna; Mario Löhr, Landrat für den Kreis Unna; sowie Dimitrios Axourgos, aktueller Bürgermeister der Stadt Schwerte.

Die Gäste zeigten sich allesamt beeindruckt von den Sanierungsarbeiten und ließen sich von Görler einige Anekdoten zu ihrer Beziehung zur Stadt Schwerte und ihrer Rolle im Projekt entlocken. Es sei ein Privileg, an so einer historischen Kirche arbeiten und sie nutzen zu dürfen, sagte Ministern Scharrenbach. Sie erinnerte sich an das Aufstellen des Gerüstes. Sofort habe sie damals geraten, direkt mehr zu machen. Ein weiser Rat, da der Aufbau eines Gerüsts mit enormen Kosten verbunden ist. MdB Oliver Kaczmarek berichtete von dem besonderen Moment, als die Fördermittel bewilligt wurden. „Da erlebt man Demokratie ganz nah“, freute sich der Abgeordnete. Im Kreis Unna gebe es viele schöne Denkmäler, doch die St. Viktor Kirche sei mehr als das, sie „ist ein Ort des Zusammenkommens und des Zusammenhalts in der Stadt“.

„Wir können alle stolz sein in Schwerte, dass die evangelische Kirchengemeinde den Mut hatte, sich dieser Herausforderung zu stellen“, lobte Heinrich Böckelühr seinen Respekt. Für ihn habe die Kirche eine besondere Bedeutung, weil er vor 25 Jahren dort geheiratet hat. „Schwerte sei immer eine Reise wert“, auch dank der St. Viktor Kirche, ergänzte Mario Löhr.

Dimitrios Axourgos unterstrich die Bedeutung der Marktkirche als Wahrzeichen der Stadt Schwerte – „Wir haben sie als Silhouette auf jedem Briefkopf.“ Die Bedeutung des Gebäudes reiche weit über das Religiöse hinaus. Sein Dank als Bürgermeister gelte allen Beteiligten. Diesem Dank schloss sich Superintendent Oliver Günther an. In Schwerte sei gelungen, was die Kirche schaffen müsse: Ein historisches Gebäude enkeltauglich zu erneuern. „Hier hat Transformation funktioniert, weit über das Gebäude hinaus“, so Günther. Er könne es nicht mehr hören, dass Kirche nicht mehr relevant sein solle. „Hier sieht man: Wir sind relevant!“

Die Relevanz der Kirche betonten auch die anderen Gesprächsteilnehmer. „Kirche brauchts halt immer“, sagte Ministerin Scharrenbach und erinnerte daran, dass das Wertegerüst Deutschlands und Europas auf der christlich-jüdischen Tradition aufbaue. Genau diese Werte seien heute hochaktuell. Die Kirche trage eine große Verantwortung für die Seelen der Menschen, heute mehr denn je, ergänzte Heinrich Bockelühr, und mahnte: „Vergesst nicht die Menschen“.

Axourgos sprach die Probleme des Einzelhandels und die Veränderung der Innenstädte an. Auch vor diesem Hintergrund habe die Kirche eine große Bedeutung. „Hier muss Begegnung stattfinden“, so der Bürgermeister. „Wir arbeiten gerne an der Zukunft unserer Stadt Schwerte mit“, versprach daraufhin Görler.

In einer zweiten Talkrunde begrüßte Görler dann einige Menschen, die ganz praktisch am Bauprojekt beteiligt waren. Dr. Bettina Heine-Hippler von der oberen Denkmalbehörde schwärmte vom fantastischen Dachstuhl der Kirche und gab ein paar Einblicke in das Vorgehen bei der Planung der Maßnahmen. Vor allem aber lobte sie die beteiligten Menschen und die Zusammenarbeit: „Es ist ein unglaubliches Team entstanden aus Experten und Ehrenamtlichen, die ein gemeinsames Ziel verfolgt haben: Die Renovierung der Kirche“. Der verantwortliche Architekt Christoph Harder zeigte sich ebenfalls begeistert: „Es ist eine sehr schöne Aufgabe, sich um so ein schönes Gebäude zu kümmern“.

Die Kommunikationsdesignerin Professorin Barbara Kotte aus Berlin berichtete von der Entstehung der neuen Glockenzier. Die gebürtige Schwerterin erfuhr durch ihre Schwester von der Sanierung und der Bitte um Unterstützung. Da habe sie angeboten mit ihrem Designbüro diese Aufgabe zu übernehmen. Sie bedankte sich beim Presbyterium für das Vertrauen und erzählte einige interessante Details des Herstellungsprozesses. So haben mussten die Buchstabenvorlagen aus Wachs bei heißen Temperaturen immer wieder in den Kühlschrank gelegt werden.

Ralf Langer, Bauleiter von der Zimmerei Müller aus Soest, berichtete von den Arbeiten in schwindelerregender Höhe. Die Gerüste seien heute so sicher, dass gar keine zusätzliche Sicherung mehr nötig sei und schwindelfrei müssten er und seine Kollegen sowieso sein. Ein größeres Problem sei die Enge im Turm und eine Herausforderung bei der Erneuerung des Daches sei es gewesen, dass nicht alle Schieferplatten gleichzeitig entfernt werden durften. Der Turmhelm der St. Viktor Kirche ist nicht befestigt, er sitzt lose auf dem Turm und wird allein durch das Gewicht gehalten – für das auch der Schiefer wichtig ist.

Ulrich Groth und Marie Beimen berichteten aus Sicht des Presbyteriums von den Arbeiten und ihrer persönlichen Motivation. Beimen bezeichnete den Erhalt der Kirche als eine Generationenaufgabe. Die Kirche sei Teil der Stadtidentität und unserer Geschichte. Für die Nutzung der Kirche wünsche sie sich mutige Angebote, die vereinen, statt zu spalten. Groth sagte, dass die St. Viktor Kirche in seinem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt habe, deshalb sei ihm dieses Projekt auch so wichtig gewesen. Frei nach den Gebrüdern Grimm ergänzte er: „Diese Kirche ist die schönste im ganzen Land.“

Unter der Gesamtleitung von Holger John präsentierten verschiedene Künstler:innen und Formationen aus der Gemeinde musikalische Stücke aus verschiedenen Epochen. Zum Abschluss bedankte sich Hartmut Görler noch einmal bei allen Beteiligten und Unterstützer:innen und erinnerte daran, dass die Kirche dem himmlischen Vater gewidmet sei. Im Anschluss an den Festakt wurden im benachbarten Martin-Luther-Saal dann noch Fotos der unterschiedlichen Bauphasen gezeigt.

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