Es müssen nicht Frauen mit Flügeln sein
Vielleicht ist der Begriff ‚Engel‘ ein wenig zu ‚hoch‘ gegriffen, denn in der Kirche stehen sechs geerdete Frauen, mit ihren Lebens- und Berufserfahrungen. Dennoch können sie in ihren zukünftigen sehr irdischen Aufgabenfeldern manch einem Menschen zum Engel werden. Zwei Jahre lang haben sie die Ausbildung zur ‚Ehrenamtlichen in der Seelsorge‘ durchlaufen. Heute, in diesem besonderen Gottesdienst, soll sie mit der Einsegnung und Entsendung ihren Abschluss finden.
Auf dem Zertifikat, das Ihnen vom Superintendenten Pfr. Oliver Günther im Gottesdienst überreicht wurde, steht: „Frau … hat am Basis- und Feldkompetenzkurs in der Qualifizierung für Ehrenamtliche zur Mitarbeit in der Seelsorge in der Evangelischen Kirche von Westfalen mit Erfolg teilgenommen.“
„Euer Helfen wird ein Zeichen der Liebe sein, der Liebe zu dieser Welt“
Gestartet waren sie in einer größeren Kursgruppe, von denen nach Abschluss des Basiskurses einige für sich ihren Abschluss gefunden haben. Die heute hier Eingesegneten sechs haben weiter gemacht und den Feldkompetenzkurs angeschlossen. Nun können sie ihre ehrenamtlichen Einsätze in unterschiedlichen kirchlichen Seelsorgebereichen wie z.B. in Kirchengemeinden, Krankenhäuser, Altenpflegeeinrichtungen, der Jugendarbeit oder in einer Justizvollzugsanstalt aufnehmen. Sich auf andere Menschen einlassen, mit ihnen ins Gespräch kommen, ihnen gerne zuhören, sind die Einstiegselemente für diese persönliche seelsorgerliche Begleitung.
Doch um die „Seelsorge als Muttersprache der Kirche“ fachfrauisch umzusetzen, musste ein intensiver Lernweg gegangen werden. Wie der aussah, erklärte Pfrn. Sandra Kamutzki, eine der Kursleiterinnen, in ihrem Dankeswort am Ende des Gottesdienstes. „Ihr habt Euch auf ein gemeinsames Abenteuer eingelassen und die Ideen und Impulse aufgegriffen, so dass eine tiefe Verbundenheit unter Euch wachsen konnte.“ Dabei nahm sie Bezug auf das Gedicht von Picasso, „Ich suche nicht – ich finde“ in dem es heißt: „Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit, in der Führerlosigkeit geführt werden …“ und diese Führung geschieht ihrer Erfahrung nach im Glauben.
Es war ein Weg zu sich selbst, auf der Suche nach den Möglichkeiten und Begabungen, die in jeder Einzelnen stecken, mit dem Blick darauf, was sie im Leben geprägt hat. Dann einander zuhören und Achtsamkeit lernen und ganz praktisch seelsorgliche Gespräche einüben und anschließend reflektieren. Wichtig war dabei für sich nach einer guten Balance zwischen Nähe und Distanz zu suchen und sich mit der Rolle als „Ehrenamtliche in der Seelsorge“ auseinanderzusetzen. Und für die Begleitung der dann Anvertrauten galt es entsprechende Rituale auszuprobieren und einzuüben.





Gottesdienstbeginn mit dem Einzug in die Kirche
Feierlich erklingt zum Einzug der „Prince Danmarks March“, konzertant vorgetragen von einem Quartett aus Flügel: Sebastian Schwill; Trompete: Daniela Schwill; Flöte: Beate Assmann; Geige: Angela Lohmann, die auch den weiteren Gottesdienst musikalisch gestalten.
Es ist eine sehr persönliche Feierstunde, zu der die Gemeindepfarrerin der Christus-Kirchengemeinde am Roden in Iserlohn, Betina Roth-Tyburski, die ehrenamtlichen Frauen mit ihren Familien und Gästen begrüßen kann. Ein Gottesdienst, in dem die Worte aus dem Lied: „Seid fröhlich in Hoffnung“ eine tragende Rolle spielen.
„Macht einander Mut … Um Boten in Worten und Taten zu sein, hat Jesus uns auserwählt“.
Denn der Sorgen gibt es genug, weiß Superintendent Pfr. Günther in seiner Predigt auszuführen: „Sorgen nisten sich in der Seele ein. Manche setzen sich dort fest. Manche sind es nicht wert, dass wir sie beherbergen. Andere kann ich mir gar nicht vom Leib halten. Ob ich will oder nicht: Sie gehen mir unter die Haut. Nehmen mein Gemüt in Beschlag. Und manchmal auch den Verstand.“ Und er fragt sich, angesichts des Ratschlags Jesu „Macht Euch keine Sorgen, sorgt nicht“, aus der Bergpredigt, ob Jesus überhaupt eine Ahnung hat, wie sich die Sorgen anfühlen, die unser Leben gerade füllen, wenn er uns als Vorbild die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Feld, empfiehlt (Math. 6, 25-34)?
„Jesus scheint kein Experte der Seelsorge zu sein.“
„Wozu brauchen wir sonst langwierige Klinische-Seelsorge-Ausbildungen oder Kurse für die Qualifizierung von Ehrenamtlichen in der Seelsorge? Sorgen verflüchtigen sich nicht einfach, nur weil Jesus sich auf einen Berg stellt und fordert: Sorget nicht! Macht euch keine Sorgen!“
Dennoch
Und dann kam ein Dennoch! Und Superintendent Günther sagte: „Dennoch fasziniert mich die Einfachheit und Klarheit, mit der Jesus da steht und diesen Satz sagt: Macht euch keine Sorgen!“
Denn, führt er fort, wenn wir uns darauf einlassen, verschafft es uns die nötige Distanz zu den Sorgen und verändert die Perspektive und den Blick auf sie, ohne sie verschwinden zu lassen.
Der Blick auf die Vögel lässt uns in den Himmel schauen. Wir sehen ihre Freiheit und Flugkunst, sehen die Wolken, die Weite, die Sonne, das Licht. Die Sorgen sind nicht weg, aber sie erscheinen kleiner. Und der Blick nach unten auf die Lilien lassen uns die Buntheit und Vielfalt erkennen, die deutlich machen, es gibt viel mehr, das ich wahrnehmen kann, als die Sorgen, die mich weiterhin begleiten. Bei seiner ausführlichen Betrachtung merkt er: „Ich entdecke die Widerständigkeit in mir, eine unbändige Stärke, die sich mancher Sorge mutig in den Weg stellt. Jesus hilft mir, meine Sorgen in einem größeren, anderen Kontext zu sehen.“ Und auch den Bereich der Sorgen blendet Jesus nicht aus. Essen und Trinken, Arbeit und Kleidung, Dinge, um die wir uns kümmern und sorgen müssen hat er im Blick. Unsere Sorgen und Ängste werden von ihm wahrgenommen. Superintendent Günther fragt: „Können wir überleben? Wie lange kommen wir mit den Ressourcen aus? Was passiert, wenn wir so weiter wirtschaften und handeln und die Schöpfung vernichten? Wovon werden wir dann leben? Wie verteilen wir die Güter gerecht?“ Jesus ermutigt mich dazu, mich, mein eigenes Leben im Horizont seiner Liebe wahrzunehmen. Vielleicht will er mit seiner Rede uns auffordern, dass ich mir Zeit nehme, darüber nachzudenken, wie ich für mich gut sorgen kann. Was mir gut tut. Was mir hilft. Was ich brauche. Was mir Kraft gibt.“ Denn er weiß, all dies ist für Menschen, die sich um die Seelen anderer Menschen kümmern und sie in ihren Ängsten, Nöten und Sorgen begleiten wollen besonders wichtig.
„Dienste leben viele aus einem Geist, Geist von Jesus Christus. Dienste leben viele aus einem Geist und wir sind eins durch ihn.“
„Ich danke Ihnen für Ihr Durchhaltevermögen, für Ihr Interesse und für Ihre Bereitschaft, sich beauftragen zu lassen, Menschen mit Ihren Glaubenserfahrungen zu dienen und sie zu begleiten.“ Mit diesem Dank folgte im Gottesdienst die Segnung der sechs Ehrenamtlichen in der Seelsorge und die Zertifikatsübergabe.
„Du, Herr, gabst uns dein festes Wort. Gib uns allen deinen Geist!“
„Seelsorge ist unser Kerngeschäft als Kirche. Seelsorge ist Kernbestand unseres Auftrags. Und Fundament unseres Daseins überhaupt. Und zu der haben sie eine Ausbildung durchlaufen. Heute beauftragen wir Sie, Frau Gudrun Kampmann, Frau Daniela Schwill, Frau Monika Kraus, Frau Martina Lamparski, Frau Christina Hartmann, Frau Anna Birk, für den seelsorglichen Dienst in unserer Kirche. Wir erbitten Gottes Beistand und Segen. Im Vertrauen, dass Gott selbst euch seinen Geist zuspricht und euch in seinen Dienst beruft.“
Dann segnete Superintendent Günther jede der Frauen und übergab ihnen im Anschluss ihr Zertifikat. Auch das Dreierteam der Kursleitung wurde von ihm gesegnet: „An dieser Stelle möchte ich Sandra Kamutzki, Ulrike von Mayer und Peter Wevelsiep herzlich danken, dass ihr als Kursleitung euch dieser wichtigen Aufgabe gestellt habt mit eurer Erfahrung, eurer Fachlichkeit und eurer Persönlichkeit, um Menschen auf diese wichtige, um nicht zu sagen grundlegende und unverzichtbare Aufgabe von Kirche vorzubereiten.“
„Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus. Strahlen brechen viele aus einem Licht – und wir sind eins durch ihn.
Ausgesandt wie die Strahlen des Lichts und im Bewusstsein: „Vergiss nie wie stark Du bist“, der Botschaft auf dem Geschenk des Kirchenkreises, ging es dann im Anschluss an den Segen und dem passenden musikalischem Abschlussbeitrag: „Shine, Jesus, shine“ hinüber in den Gemeindesaal. Dort war ein Imbiss für alle aufgebaut, um miteinander zu teilen und Zeit zu verbringen, die die Möglichkeit zum Feiern und für Gespräche eröffnete.







