Pfarrerin Dr. Leita Ngoy

Eine Tür in die evangelische Kirche

Dr. Leita Ngoy feiert in Iserlohn interkulturelle Gottesdienste

Seit Januar ist Pfarrerin Dr. Leita Ngoy in Iserlohn. In Tansania ist die aus der demokratischen Republik Kongo stammende Theologin bereits ordinierte Pfarrerin, an der Ruhr-Universität Bochum promovierte sie und arbeitete am Oikos-Institut als Referentin für Brot für die Welt. Doch dann entschied sie sich dafür, den Probedienst in der Evangelischen Kirche von Westfalen anzutreten, zunächst in Gütersloh und nun in Iserlohn. „I’m a pastor“, sagt Leita Ngoy. Sie möchte als Pfarrerin eine Gemeinde leiten, ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse einbringen und an der Transformation der evangelischen Kirche in Deutschland mitwirken.

„Transformation bedeutet für mich nicht einfach Veränderung um der Veränderung willen. Transformation heißt, Menschen neu mit der Liebe Gottes in Berührung zu bringen und Räume der Begegnung zu schaffen, in denen sie sich gesehen, willkommen und angenommen fühlen“, erklärt Rev. Dr. Leita Ngoy. „Dabei geht es nicht nur um neue Strukturen oder Leitungsmodelle in der Kirche. Wahre Transformation muss auch kulturell, geistlich und menschlich sein. Sie verändert unsere Denkweise, unseren Umgang miteinander und die Art, wie wir Kirche leben. Wir dienen Gott nicht für andere Menschen, sondern mit anderen Menschen. Interkulturelle Gottesdienste, gemeinsames Gebet, Musik und persönliche Begegnungen helfen dabei, Kirche wieder als einen lebendigen Ort der Hoffnung, Gemeinschaft und gegenseitigen Wertschätzung zu erleben. So finden auch Menschen zurück zur Kirche, die sich zuvor entfernt oder ausgeschlossen gefühlt haben.“

Ihr Vater, dem sie ihr Buch, das aus ihrer Promotion entstand, widmetet, war Missionar und erster Bischof der Evangelischen Kirche im Kongo. „Das liegt mir im Blut“, sagt Ngoy. Sie spricht sieben Sprachen und lebte unter anderem in Indien und Tansania. Auf Tansania, wo sie Pastorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche wurde, konzentrierte sich ihre Forschungsarbeit. „Ich habe dort selbst erlebt, wie ansteckend Spiritualität ist, die relevant ist“, erklärt sie. Auch dort hatte die Kirche mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen und Gottesdienste waren schlecht besucht. Doch heute sind die Kirchen wieder voll. Diese Entwicklung untersucht sie in ihrem Buch „Prosperity Gospel Redefined: The Impact of Charismatisation of the Mainline Churches in Tanzania“.

Ihre Ergebnisse möchte sie nun auch hier umsetzen, als Pfarrerin in Westfalen. Das ging jedoch nicht ohne den Probedienst. Das sei schon „etwas speziell“ gewesen, nachdem sie bereits 18 Jahre als Pfarrerin tätig war, gibt Leita Ngoy zu, doch davon ließ sie sich ebenso wenig aufhalten wie von den ersten Eindrücken der Gottesdienste in Deutschland. Neben den geringen Teilnehmerzahlen sei ihr vor allem aufgefallen, dass die Besucher in den Kirchen fast ausschließlich weiß waren – im Gegensatz zu der bunten Mischung draußen. „Gott, was soll ich machen?“, fragte Leita Ngoy, die sich als lutherisch und charismatisch versteht. Die Antwort: „Du bist Pfarrerin, du hast die Gabe vieler Sprachen, du kannst eine Tür sein in die evangelische Kirche.“ 

In dieser Situation entwickelte sie das Konzept der interkulturellen Gottesdienste, mit dem sie Menschen aller Kulturen, Konfessionen und Religionen ansprechen möchte. Die Gottesdienste verbinden die westfälisch-lutherische Liturgie mit modernem Worship. Gesungen werden universelle, ökumenische Lieder, in Gütersloh gründete sie dafür eigens eine Band. Die Predigten werden in verschiedenen Sprachen gehalten und konzentrieren sich auf einfache, lebensnahe Botschaften von der Liebe Gottes. Es gibt ein internationales Buffet, das am Tag zuvor vorbereitet wird. Und die Tür steht immer offen. „Karibu“ – Willkommen – ist ein zentrales Wort für Leita Ngoy, und das gilt für alle.

In Gütersloh wurden die Gottesdienste schnell zu einem großen Erfolg, sowohl auf die Teilnehmerzahlen als auch auf die Rückmeldungen bezogen.  „So viel Lebensenergie war in der Kirche zu spüren“, schrieb eine Person, eine andere sagte „die Freude Gottes war in der Musik fühlbar“. 

Doch es gibt auch Herausforderungen. Vor allem das Budget ist ein Thema, wie in so vielen Bereichen. Und manche verstehen ihr Angebot als Konkurrenz, was es jedoch nicht sein soll. „Wir sind alle Team Jesus“, sagt Leita Ngoy. Ihr „Projekt“, eine Bezeichnung, die sie selbst ungerne benutzt, soll ein Bestandteil eines vielfältigen Gottesdienstangebots sein. In Iserlohn hofft Leita Ngoy, die interkulturellen Gottesdienste dauerhaft etablieren zu können und damit viele Menschen zu erreichen.

„Die Menschen sind die Kirche“, sagt Leita Ngoy, „echte Transformation kommt immer von innen, nicht von außen. Transformation beginnt von unten nach oben – bei den Menschen vor Ort, in ihren Herzen, in ihrer Art zu denken, zu lieben und miteinander umzugehen. Erst dann wird sie auch nach außen sichtbar. Deshalb muss die Kirche nicht nur in Strukturen investieren, sondern vor allem in die Verwandlung des Herzens der Kirche: der Menschen, die Gott so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn gab, um sie zu retten und ihnen neues Leben zu schenken.“

Die nächste Ausgabe findet am Sonntag, 17. Mai, von 10.30 bis ca. 12 Uhr in der Johanneskirche am Nußberg statt. Den Gottesdienst bereitet Leita Ngoy gemeinsam mit Pfarrer Tom Mindemann und Ailed Villalba Aquino vom Oikos-Institut vor.

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