Ehrenamt und Bürgernähe im Blick
Superintendent spricht mit Bürgermeister-Kandidaten bei zweiter Auflage von „Kirche ermöglicht Dialog“. Großer Andrang in reformierter Kirche
Prall gefüllt war die reformierte Kirche im Herzen der Iserlohner Innenstadt, als Superintendent Oliver Günther am Mittwoch, 27. August, drei Kandidaten für die nahende Bürgermeisterwahl zum Gespräch empfing. Alle Sitzplätze waren belegt, so dass die Empore für weitere Gäste geöffnet wurde und einige Zuhörer das Geschehen im Stehen verfolgten, so groß war das Interesse an der zweiten Auflage von „Kirche ermöglicht Dialog“ mit Bürgermeister Michael Joithe und seinen Herausforderern Burcu Öcaldi und Manuel Huff.
Es sollte jedoch keine reine Wahlkampfveranstaltung werden, sondern getreu der Idee der Reihe ein offener Austausch, bei dem auch die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und unterschiedliche Positionen konstruktiv besprochen werden können, das stellte Oliver Günther gleich zu Beginn noch einmal klar und erklärte in diesem Zusammenhang auch, dass die AfD bewusst nicht eingeladen wurde. „Menschen und Repräsentanten einer Partei, die im Verdacht steht, als gesichert rechtsextrem zu gelten und die Grundwerte unseres Grundgesetzes mit allen Mitteln in Frage stellt, bekommen in Kirche keine Bühne und kein Mikro“, so der Superintendent. „Die Demokratie ist es mir wert, mich dieser Kritik auch sehr persönlich auszusetzen.“
Nach einer schnellen Fragerunde zum Einstieg, bei der sich die Kandidaten unter anderem zwischen Eishockey und Basketball und den beiden Iserlohner Freibädern entscheiden mussten, ging es dann in den Dialog. Unterstützt wurde der Superintendent dabei von Sarah Kabelitz von der Ev. Erwachsenenbildung, die die Diskutanten mit Ergebnissen des Einsamkeitsbarometers konfrontierte und fragte, wie sie Iserlohn in dieser Hinsicht zum Besseren entwickeln möchten.
Burcu Öcaldi nannte die Ortsteile als Vorbild, in denen es viele engagierte Menschen gäbe. Auch die Arbeit der Kirchengemeinden lobte sie und nannte die Nächstenliebe als Grundlage für ihre eigene Arbeit und Motivation. „Wir müssen dankbar sein, dass wir so eine starke Stadtgemeinschaft haben“, sagte Michael Joithe und unterstrich die Bedeutung von Vereinen für die Stadtgesellschaft, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Es sei erschreckend, dass diese an Bedeutung verlieren und gemeinsam müsse daran gearbeitet werden, das Ehrenamt wieder attraktiver zu gestalten. Manuel Huff berichtete von seinen eigenen Erfahrungen in der Vereinsarbeit, dort habe er viel mit dem Thema Einsamkeit zu tun. „Wir müssen Orte der Begegnung schaffen, damit sich Menschen nicht einsam fühlen“, so Huff. „Nichts ist schlimmer als eine Gesellschaft, die auseinanderdriftet.“
In der Folge berichteten die Bewerber um das Amt als erster Bürger der Stadt Iserlohn von ihrer Motivation und ihren Ideen für die Verwaltung, die aus Sicht aller drei Kandidaten in erster Linie für die Bürger da sein soll. Über ausliegende Karten konnte auch das Publikum Fragen an die Kandidaten richten, die sich um lokale Themen wie die Sicherheit, den Radverkehr und das Energiekonzept drehten.
Anschließend griff Superintendent Oliver Günther noch einmal das Stichpunkt Ehrenamt auf, das bekanntermaßen auch im kirchlichen Kontext eine essenzielle Rolle spielt. Alle drei waren sich in dem Punkt einig, dass das Ehrenamt gestärkt werden müsse und für die Gesellschaft von elementarer Bedeutung ist. Manuel Huff forderte, engagierten Menschen konkrete Ansprechpartner zur Seite zu stellen und angesichts der investierten Zeit und des privat eingesetzten Geldes nicht noch den Rotstift anzusetzen. Burcu Öcaldi schloss sich an und ergänzte: „Wir als Verwaltung müssen die Rahmenbedingungen schaffen.“ Sie wünscht sich ein Budget für Ehrenamtliche, über das diese verfügen können. Bürgermeister Michael Joithe betonte, dass bereits viel für das Ehrenamt getan werde und nannte als Beispiel die Anlaufstelle „Continue“. Niemand wolle beim Thema Ehrenamt sparen, doch er wies auch auf das Haushaltssicherungskonzept hin. Wer bei diesem oder anderen Themen nicht sparen wolle, müsse auch mitbedenken, „wo denn dann?“
Nachdem die Kandidaten auf eine Frage des Superintendenten ausführten, dass ein Bürgermeister keinesfalls „Experte für alles“ sein könne und müsse – und wie stattdessen komplexe Sachverhalte bearbeitet werden können – wollte Oliver Günther wissen, in welchen Bereichen sich die drei Anwärter als Experten sehen. „Digitalisierung, Menschenführung und kaufmännisches Denken“, nannte Michael Joithe. „Bürgernähe, effiziente Verwaltung und Digitalisierung“, antwortete Burcu Öcaldi. „Bürgernähe und das Zusammenspiel zwischen Politik und Verwaltung“, lautete Manuel Huffs Antwort.
Zum Abschluss durften die drei Kandidaten dann noch beschreiben, worin aus ihrer Sicht das größte Potential Iserlohns bestehe. „Die Verbindung aus Wald und Stadt“, antwortete Manuel Huff. „Das dickste Pfund, das wir haben, sind die Bürgerinnen und Bürger“, sagte Michael Joithe und Burcu Öcaldi kombinierte beide Faktoren in ihrer Antwort: „Das sind die Menschen und die Landschaft.“
Zu den Teilnehmenden: Bei der Kommunalwahl am 14. September tritt Amtsinhaber Michael Joithe erneut für „Die Iserlohner“ an. Burcu Öcaldi geht als gemeinsame Kandidatin für CDU, SPD & FDP an den Start. Manuel Huff kandidiert für „Die Linke“.







