„Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“

Es war sein letzter Einzug in die Christuskirche am Roden in Iserlohn, die in den letzten 8 Jahren eine der Wirkungsstätten von Pfr. Bernd Neuser war. Der Posaunenchor aus Oestrich und Letmathe empfing die Einziehenden aus den drei Presbyterien und etliche Liturginnen und Liturgen mit festlicher Musik.

„Nun jauchst dem Herren alle Welt! Kommt her zu seinem Dienst euch stellt …“

Aus allen beteiligten Gemeinden der Pfarramtlichen Verbindung der Christus-, der Emmaus- und der Kirchengemeinde Letmathe waren sie gekommen um ihren Pfarrer, der sie in den unterschiedlichen Gruppen, Initiativen, Lebenssituationen begleitet hat, zu verabschieden. Noch am Freitag vorher hat er mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen im Letmather Volkspark an der Aktion „Einfach Heiraten“ bei der Trauung und Segnung von 17 Paaren mitgewirkt. Nun wurde er in einem feierlichen Gottesdienst vom Superintendenten Pfr. Oliver Günther entpflichtet und für seinen weiteren Lebensweg von ihm und acht weiteren gesegnet.

Unter den Gästen konnte Pfrn. Bettina Roth-Tyburski neben dem Stellvertretenden Bürgermeister Carsten Meinighaus, dem Vertreter der Ökumene, den Leiter des Pastoralen Raums Iserlohn Pfr. Dietmar Schulte auch Weggefährten aus früheren Pfarrstellen und aus der interreligiösen Arbeit in der Ev. Kirchengemeinde Dortmund-Eving, Imam Ahmat Aweiler, begrüßen.

„Abschied ist immer auch Aufbruch“, sagte Pfrn. Roth-Tyburski in ihren Eingangsworten und wies schon zu Beginn auf den Weg in die Türkei in eine Auslandspfarrstelle hin, in die sich Pfr. Neuser im September 2026 in seinem „Ruhestand“ für 9 Monate aufmachen wird. Doch an diesem Tag steht erst einmal die Entpflichtung und der Abschied im Vordergrund.

„Gott, Deine Liebe reicht weit“

Eigens für diesem Gottesdienst hatte Pfr. Neuser drei Frauen aus der Christus-Kirchengemeinde gebeten, in einem Trio, von ihm selbst am Klavier begleitet, dieses Lied für seinen Abschied mehrstimmig einzustudieren. Als würden sie das immer machen, war die Kirche mit Wohlklang erfüllt.

„Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt“

„Was war das Schöne in meinem Pfarrerdasein? Was hat getragen?“, fragte sich Pfr. Bernd Neuser zu Beginn seiner Abschiedspredigt.  Wer geht, schaut zurück, zieht Resümee. Ganz besondere, schöne Momente, in denen etwas außerordentliches geschieht, Gottes Gegenwart spürbar wird, sind für ihn die Taufe und das Segnen von Menschen. „Gott erlaubt uns anderen die Hände aufzulegen und seinen Segen weiterzugeben.“ So wie bei Paul, den er vor kurzem taufen durfte. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, ist sein Taufspruch. Pfr. Neuser hat sich gefragt, wieviel Bösem dieser junge Mensch in seinem Leben wohl begegnen wird und hatte dabei die gegenwärtigen regierenden Despoten vor Augen, die Gewalt anwenden und mit Stolz Rachefeldzüge führen. Wie gut ist da die Zusage Gottes, „Die Rache ist mein!“ Denn die sei keine Drohung, sondern Gott setzt den Rachegelüsten der Menschen einen Riegel vor und Paulus sagt: „Habt für die Menschen nur Gutes im Sinn.“ So wie bei Schwester Elisabeth, die er vor einigen Jahrzehnten beim Trampen in der Türkei kennengelernt hatte. Ohne Sprachkenntnis und mit vielen Irrwegen durch Falschinformationen, verlor sie nie das Vertrauen am richtigen Ort anzukommen. Und sie kamen an. „Wenn wir mit jenen, die uns fremd sind essen und anderes teilen, sind sie keine Fremden mehr!“ Neugierig bleiben, auf Unbekanntes zugehen, Nähe wagen im Vertrauen, dass Gott immer schon da ist und mitgeht, sind und waren die Grundelemente aus denen Pfr. Bernd Neuser seine Berufung immer verstanden und gelebt hat. Und getragen weiß sich Pfr. Bernd Neuser im Abendmahl, in der Stärkung Christi, die einen Augenblick grenzenlosen Friedens erfahren lässt. Gott groß und nicht klein machen, im Vertrauen auf seine Zusage, dass die Völker am Ende gemeinsam am Tisch des Herrn sitzen und sich die Tische voller Köstlichkeiten biegen werden. Sich auf diesen Weg aufmachen, gemeinsam mit Jesus, neugierig und aufmerksam bleiben und mit fröhlichem Lachen, dazu machte Pfr. Neuser allen zum Abschluss seiner Predigt Lust.

„Du bist ein Gott, der mich achtet. Du bist die Mutter, die liebt.“

Pfr. Neuser hatte im Vorgespräch zur Entpflichtung für den Superintendenten Oliver Günther alles sehr akribisch vorbereitet und ihm die wichtigsten Eckdaten seiner beruflichen Laufbahn geliefert. Doch auf diese Infos wollte der Superintendent Günther in seiner Ansprache verzichten, weil es ihm wichtiger war, drei Wesensmerkmale, die den Menschen und Pfarrer Bernd Neuser auszeichnen, zu würdigen, die vielleicht im Zusammenhang mit dem Konfirmationsspruch von Pfr. Neuser in Verbindung stehen:

„Paulus sagt: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“

„Lieber Bernd, du liebst Freiheit. Du brauchst Freiheit. Du willst Freiheit für andere. Ist das zu viel, wenn ich sage: Du bist in der Freiheit des Herrn zuhause?!

Du bist ein Brückenbauer. Brückenkonstrukteur, Brückenbauer und Brückenüberquerer (das sind ja drei zu unterscheidende Phasen) …

Danke, lieber Bernd, dass du uns in diesem Kirchenkreis beschenkt hast – Danke für alle Brücken – auch in deiner Funktion als Synodalbeauftragter für den christlich-islamischen Dialog, die du hier gebaut hast, damit Menschen unterschiedlicher Religionen einander begegnen konnten.

Deine große Liebe zur Kirche und zur Gemeinde. „Da schlägt einfach mein Herz,“ hast Du gesagt. … Du hast immer nach Wegen gesucht, Gemeinde zu öffnen – für die, die sich nicht zugehörig fühlen oder die einfach keinen Platz bei uns gefunden haben, weil das Leben ihnen besondere Herausforderungen auferlegt hat oder weil sie mit unserer Art zu feiern und zu glauben nicht viel anfange können. … Bloß kein innercircle! Kirche als geschlossene Gesellschaft, die mit sich selbst zufrieden und im Reinen ist, wäre Paulus ein Dorn im Auge gewesen.

Du hast gesagt: Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass man zusammenleben und zusammenstehen kann. Das gilt nicht nur für Kirche als Teil der Gesellschaft, das gilt auch für die Kirche selbst. Du hast dich immer als Teil des ganzen Teams verstanden. Und gesagt: Ich hatte die Freiheit, die Kolleg*innen in aller Überspanntheit von Transformation, Wandel und Veränderung zu entlasten. Ich danke dir für deinen Dienst in unseren Gemeinden! Amen.“

„Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit“

Und dann erfolgte die Entpflichtung. Es bleiben die Befähigung zur Verkündigung, zur Taufe und zum Abendmahl, doch es gibt keine Verpflichtung mehr all das tun zu müssen. Pfr. Bernd Neuser ist nun frei allein darüber zu entscheiden ob, wann und wo er sich einbringen möchte. Allerdings hat er das schon seit längerem entschieden. Er wird mit Beauftragung der EKD ab September die Arbeit als Pfarrer in einer Auslandspfarrstelle der St. Nikolaus-Gemeinde in Alanya, in der Türkei für 9 Monate aufnehmen.

Doch bevor er auch an diesem Tag gehen darf, folgten noch Grußworte. Der Stellvertretende Bürgermeister Carsten Meinighaus überbrachte die Dankesworte und Grüße der Stadt Iserlohn. „Was man in die Gemeinde hineingibt, kommt wieder heraus“, sagte er und dankte Pfr. Neuser für sein Engagement am „Runden Tisch der Religionen“ sowie für alles, was er für die Menschen vor Ort als Zuhörer, Begleiter, Vermittler, auch über die Gemeindegrenzen hinaus, getan hat. Dem schloss sich inhaltlich wie im Besonderen in der offenen, freundlichen von Vertrauen geprägten ökumenischen Zusammenarbeit, der Leiter des Pastoralen Raums Iserlohn, Pfr. Dietmar Schulte an.

Ein besonderer Gast war der Imam Ahmat Aweiler. Mit ihm zusammen hatte Pfr. Neuser schon 1989 in seiner ersten Pfarrstelle in Dortmund-Eving, einem stark muslimisch geprägten Stadtteil, die interreligiös Arbeit für ein gelingendes, friedliches Zusammenleben begonnen, die bis heute existiert. Mit großer Dankbarkeit schaute der Imam in seinem Grußwort darauf zurück und sagte: „Dialog gelingt nur, wenn er respektvoll und gegenseitig ist. Der Bessere ist der, der am meisten für die Menschen in der Gemeinschaft nützlich ist! Und das hängt nicht von einer Religion ab.“

Einen großen Dank gab es dann von den Pfarrkolleginnen und dem Pfarrkollegen und dem Presbyterium aus der Pfarramtlichen Verbindung, denen Pfr. Neuser vielfach den Rücken gestärkt und freigehalten und neu Ankommende an die Hand genommen hat. Er war gegenüber jede und jeden offen und loyal, eben ein echter Teamplayer.

Und dann gab es Essen und die Möglichkeit für persönliche Wünsche, Gespräche und das Treffen mit anderen Gemeindegliedern. Ein reich ausgestattetes Mitbring-Büfett erwartete die Gäste im Gemeindesaal.

Fotos und Text: Bernhard Laß

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