Pfarrer Bernd Neuser und seine Nachfolgerin Pfarrerin Mirjam Ellermann

Am Anfang war der Dialog

Pfarrer Bernd Neuser beim Erzählcafé verabschiedet

Wofür sonst sollte Gott durch sein Wort alles geschaffen haben? Im Wort ist Er in Beziehung zu seinen Geschöpfen getreten und Er hat es sogar in Jesus Fleisch werden lassen, damit wir es er- und begreifen können!

Einer, der es ergriffen hat, wie damals die Jünger und Jüngerinnen Jesu, ist Pfr. Bernd Neuser im Kirchenkreis Iserlohn. Er hat den Dialog, die Beziehungsarbeit zwischen den religiösen Welten und Gruppen in Iserlohn am „Runden Tisch der Religionen“ mit seinem „Erzählcafé“ in den letzten zehn Jahren zu einer unverzichtbaren Institution gemacht.

Abschied als Synodalbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn für den christlich-islamischen Dialog

Nun geht er, nach 40-jähriger Tätigkeit als Pfarrer, in seinen wohlverdienten Ruhestand, den er aber fast übergangslos für seine nächste Dialogaufgabe erneut als Pfarrer in der Türkei für neun Monate nutzen will.

Am Donnerstag wurde er aus seiner synodalen Aufgabe als Beauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn für den christlich-islamischen Dialog verabschiedet.

Dazu gab es im Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde Oestrich-Dröschede, dem Ort, an dem das Erzählcafé seinen regelmäßigen Platz fand, einen feierlichen Empfang, bereichert durch einen Imbiss mit orientalischen Speisen.

Die Moderation der Veranstaltung übernahm seine von der Synode für die Beauftragung gewählte Nachfolgerin, Pfrn. Mirjam Ellerman, die einen Einblick in die vielfältige Vita von Pfr. Bernd Neuser gab und dazu ein paar wichtige Weggefährten mit ihren Grußworten hinzuziehen konnte.

Im Kirchenkreis Iserlohn war Pfr. Bernd Neuser in mehren Gemeinden tätig und hatte in den vergangenen Jahren seinen Schwerpunkt in der Emmaus- und Christus-Kirchengemeinde. Doch sein Lebens- und Arbeitsweg ist stark von der Beschäftigung mit dem Islam geprägt.

Aufenthalte in der Türkei

Schon während seines Studiums der Theologie war er 1984 zu einem dreimonatigen Studienaufenthalt in das Dominikanerkloster St. Peter und Paul in Istanbul aufgebrochen. Hier wuchs auch der Wunsch einmal in der Türkei arbeiten zu wollen.

Doch es sollten noch fünf Jahre vergehen, bis es zum nächsten Aufenthalt in der Türkei in Ankara kam. 1989 – 1990 nutzte er die Chance eines Studienaufenthalts an der islamisch – theologischen Fakultät der Universität Ankara. Pfr. Neuser bekam dort die Forschungserlaubnis für islamische Religion und Religionspädagogik.

Leiter der Beratungsstelle für christlich-islamische Begegnung

Es war zum einen seine über die Jahre erworbene theologische Kompetenz, aber zum anderen auch das Beherrschen der türkischen Sprache, die ihn von 2002 bis 2007 als Landespfarrer zum Leiter der Beratungsstelle für christlich-islamische Begegnung der Ev. Kirche im Rheinland und der Ev. Kirche von Westfalen werden ließ. „Hier habe ich den Dialog der Religionen auf verschiedenen Ebenen begleitet und in Konflikten von Kirchengemeinden und Moscheegemeinden vermittelt, wenn es um Probleme des Zusammenlebens oder um Moscheebauten ging. Darüber hinaus gehörten die Beratung von zivilgesellschaftlichen Initiativen wie auch die Zusammenarbeit mit der Landesregierung NRW und dem Bundesinnenministerium zu meinen Aufgaben. Die Beratungsstelle organisierte mit der Bundeszentrale für politische Bildung Dialogtagungen mit den islamischen Verbänden in Deutschland und führte Studiereisen ins islamische und europäische Ausland durch.

„Zu meinen Aufgaben gehörten ca. 30 Vorträge im Jahr und das Verfassen von Aufsätzen. Im Jahr 2005 gab ich das Buch: ‚Dialog im Wandel‘ heraus“, erklärte Pfr. Bernd Neuser beim Empfang.

Zu dem genannten Buch kamen noch weiterePublikationen wie die Dokumentation „Familie und Frau im Islam – Erfahrungen und Aufgaben in der Gewaltproblematik“ 2005, das Handbuch Interreligiöser Dialog 2006 und etwas später der Glaubenskurs „Christsein angesichts des Islam“.

Ökumenische Zusammenarbeit im Islamischen Dialog

Das war ein guter Moment für Pfrn. Ellermann Herrn Prof. Dr. Thomas Lemmen, Honorarprofessor und Studiengangleiter im Erzbistum Köln im Bereich Sozialwesen und seit 2016 der Studiengangleiter des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Interreligiöse Dialogkompetenz“ mit seinem Grußwort einzubinden. Eigens zur Verabschiedung war er nach Iserlohn angereist.

Über Jahre war Prof. Dr. Thomas Lemmen das kath. Pendant auf kirchlicher und politischer Ebene in der gemeinsamen ökumenischen Arbeit und ein befreundeter und enger Begleiter im Christlich-islamischen Dialog. In der Hand hielt er während seines Grußwortes das Buch: „Miteinander leben – Christen und Muslime im Gespräch“, bei dem er Mitherausgeber war. „Ich kenne nur einen ev. Pfarrer, der es auf das Cover von zwei Büchern mit seinem Foto geschafft hat, Pfr. Bernd Neuser“, sagte er augenzwinkernd und erzählte von der guten ökumenischen Zusammenarbeit, die neben der theologischen und sprachlichen Kompetenz von Pfr. Neuser auch in seinem liebenswürdigen, freundschaftlichen und gastfreundlichen Wesen begründet sei. „So wie Du hier auf dem Bild in der Hocke sitzt, glauben wir Christen: Gott hat sich in die Hocke begeben, um mit uns auf Augenhöhe zu sprechen. Wir sollten das in der Begegnung mit anderen auch so machen. Du machst es und bist immer ansprechbar“, hob er die Vorzüge von Pfr. Neuser hervor.

Als eine Kraftquelle für die Arbeit beschreibt Pfr. Neuser aber auch den Ausschuss der Islambeauftragten in den Kirchenkreisen, dem er durchgängig angehörte. Ein weiterer Höhepunkt seines Engagements war die Mitarbeit und Moderation des Zentrums Begegnung mit dem Islam beim Kirchentag 2007 unter Beteiligung der wichtigsten Verbände.

Zusammenarbeit mit dem Landeskirchenamt

Ebenso lobte auch Pfr. Ralf Lange-Sonntag, Beauftragter der Ev. Kirchen von Westfalen für christlich-jüdischen Dialog, christlich-islamischen Dialog und interreligiösen Dialog, die Zusammenarbeit mit Pfr. Neuser in den vergangenen Jahren und wollte sich die Verabschiedung auch nicht entgehen lassen. In Anlehnung an den erneut geplanten Aufenthalt von Pfr. Neuser in der Türkei griff er auf die Erzählung des Hilferufs aus Europa in der Apg. 16.9f zurück: „Dort in Troas hatte Paulus in der Nacht eine Vision: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich stehen, der bat ihn: ‚Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!‘ Darauf suchten wir sofort nach einem Schiff, das uns nach Mazedonien mitnehmen konnte. Denn wir waren sicher, dass Gott uns gerufen hatte, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen.“ Vielleicht sei es heute umgekehrt und Pfr. Neuser hat den Ruf gehört in die Türkei zu gehen, um den Menschen dort die gute Nachricht zu bringen.

Der Runde Tisch der Religionen in Iserlohn

Doch noch ist er hier vor Ort in Iserlohn und da ist vor allem die gelungene Arbeit aus den letzten zehn Jahren zu erwähnen. Zum einen ist da der „Runde Tisch der Religionen“ in Iserlohn. Für ihn hat sich Pfr. Bernd Neuser, vielfach engagiert. In wichtigen Phasen war er Teil der Iserlohner Stadtgesellschaft und führte dazu immer wieder gemeinsam Aktionen in der Öffentlichkeit durch.

Nicht nur die Aufstellung des „Friedens-mahners“ oder die Durchführung von interreligiösen Friedhofsführungen haben die Öffentlichkeit einbezogen, sondern auch Friedensfeste und die Installation des Engels der Kulturen haben Bewusstseinsarbeit geleistet. Aber auch die Beratung und Begleitung in Konflikten wie beim Gespräch mit den betroffenen Familien nach der Verwüstung des muslimischen Gräberfeldes Anfang des Jahres 2022 gehörten dazu.

Zum anderen ist daraus das „Erzählcafé am Runden Tisch der Religionen“ als Hauptelement der interreligiösen Arbeit entwickelt worden, das seinen „Ort“ im Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde in Oestrich gefunden hat. Hier hat Pfr. Bernd Neuser in guter Zusammenarbeit mit Gaby Iserloh, der ehemaligen Dekanatsreferentin für Jugend & Familie im Dekanat Märkisches Sauerland, ein Format entwickelt, bei dem Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionen mit ihren Vorträgen zur Aufklärung und Bereicherung beigetragen haben. Ein interreligiöser Gast bekommt hier den Raum interessierten Hörerinnen und Hörern zu erzählen, was ihm in seinem eigenen Glauben wichtig, tragend und berührend ist.

Im Laufe der Jahre waren es Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen, katholischen und griechisch-orthodoxen Kirchen, der muslimischen Gemeinden, der Bahai-Religion, der buddhistischen und der Hindu-Religion.
In Zukunft wird diese Arbeit von Pfrn. Mirjam Ellermann aus Iserlohn fortgeführt, die jetzt die Synodalbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn für den christlich-islamischen Dialog ist.

Mit einem wegweisenden Wort bedankte sich Pfr. Neuser für die Zeit, die er im Dialog am Tisch der Religionen mitarbeiten durfte, bei allen Weggefährtinnen und Weggefährten unter den Geladenen, vor allem auch bei den ehrenamtlichen Frauen, die das Erzählcafé mit ihrer Gastfreundlichkeit geprägt haben. „Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.“ Max Frisch.

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