Transformation in Hemer und Ihmert nimmt Gestalt an
Ebbergkirche und Paul-Schneider-Haus sind Zukunftsgebäude. Regionale Zusammenarbeit wird wichtiger
Die Ebbergkirche und das Paul-Schneider-Haus sind die Zukunftsgebäude der Pfarramtlichen Verbindung Hemer-Ihmert, das gaben die Verantwortlichen der Gemeinden gemeinsam mit Superintendent Oliver Günther bei der Gemeindeversammlung am 4. Dezember 2025 offiziell bekannt. Die Christuskirche in Sundwig sowie die Kreuzkirche in Landhausen sind genau wie die Kirche in Ihmert Abschiedsgebäude.
Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Zukunftsperspektive“. Neben dem Gebäudekonzept ging es auch um die finanzielle Situation und die personelle Entwicklung. „Alles hängt mit allem zusammen“, machte Superintendent Oliver Günther gleich zu Beginn deutlich, bevor er den Anwesenden die ernüchternden Zahlen präsentierte. Wie in ganz Westfalen verlieren auch die Gemeinden in Hemer Mitglieder, zwischen 2020 und 2025 sank die Gemeindegliederzahl von 8682 auf 7306. Nach aktuellen Prognosen werden es im Jahr 2030 noch 6380 Gemeindeglieder sein.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Gemeindeglieder, die zur Besetzung einer Pfarrstelle offiziell gefordert sind, von 3000 auf 4000. Der Hauptgrund dafür ist der fehlende Nachwuchs. Es gibt zu wenige Studierende der Theologie.
Aufgrund dieser Entwicklungen brauche es einen Planungshorizont für die gesamte Region, unterstrich der Superintendent. Hemer und Ihmert gehören mit Balve, Deilinghofen, Lendringsen und Menden der Region 3 im Kirchenkreis Iserlohn an. In Bezug auf Hemer, Ihmert, Deilinghofen, Balve und Lendringsen bedeutet das mittelfristig eine Planung mit 3 Pfarrstellen und 1,5 Gemeindepädagogik-Stellen.
Kirchmeister Jörg Schulz zeigte die Entwicklung der Kirchensteuern, die ebenfalls negativ verläuft. Der Rückgang der Gemeindegliederzahl und damit der Rückgang der Kirchensteuerpauschale konnte bisher durch Mehreinnahmen kompensiert werden. Angesichts der weiterhin sinkenden Zahlen und der angespannten wirtschaftlichen Situation in Deutschland ist zukünftig jedoch mit einem deutlichen Minus zu rechnen. Bezüglich der Gebäudesituation machte Schulz darauf aufmerksam, dass die Gemeinden Hemer und Ihmert bereits heute gemessen an der Zahl der Gemeindeglieder über zu große Räumlichkeiten verfügen. Dieses Verhältnis werde mit dem weiteren Rückgang noch kritischer, gleichzeitig stiegen die Kosten für die Gebäude.
Aus all diesen Gründen ist es unumgänglich, den Gebäudebestand drastisch zu reduzieren. Pfarrerin Sonja Timpe-Neuhaus verkündete schließlich die konkreten Pläne für die Zukunft. Die Entscheidung, dass die Ebbergkirche die Kirche der Zukunft in Hemer sein würde, sei bereits vor vielen Jahren mit der umfangreichen Sanierung gefallen, erklärte Timpe-Neuhaus. Der flexible Kirchraum biete optimale Voraussetzungen und auch die Heizung sei kein Problem mehr. Anhand der Karte der Gemeinden machte sie deutlich, dass das Paul-Schneider-Haus mit der zentralen Lage das optimale Stammhaus für die Gemeinde sei. Auch für die Gemeinden der Region ist es sehr gut zu erreichen und schon jetzt ein wichtiger Treffpunkt. Eine Gottesdienststätte wird das Paul-Schneider-Haus allerdings nicht mehr sein.
Die anderen Gebäude sollen ab 2028 aufgegeben werden. Bis dahin wird an Folgelösungen gearbeitet.
Superintendent Oliver Günther stellte zum Abschluss klar, dass der Druck und die daraus resultierenden Entscheidungen nicht intern erzeugt würden, der Druck entstehe durch die genannten Entwicklungen. „Jetzt ist die Zeit, sich der Realität zu stellen und sie anzugehen“, so der Superintendent. Dabei lobte er ausdrücklich das Pastoralteam in Hemer und Ihmert mit den Pfarrerinnen Sonja Timpe-Neuhaus, Anja Martin und Gaby Bach sowie Quartiersmanagerin Simone Stegbauer. Alle drei Pfarrerinnen gehen demnächst in den Ruhestand, doch alle drei arbeiteten mit der Quartiersmanagerin vorbildlich an einem tragfähigen Konzept für die Zukunft.
Wichtiger Bestandteil dieses Konzepts ist es, Kirche und Gemeinde außerhalb der Kirchmauern stattfinden und einen Platz im Alltagsleben der Menschen finden zu lassen. So geschieht es bei Schulgottesdiensten innerhalb der Schulgebäude oder bei Angeboten wie „Ansprechbar“, bei dem ein Team von Ehrenamtlichen auf den Friedhöfen mit Kaffee, Tee und einem offenen Ohr das Gespräch mit den Menschen sucht. Auch die Gottesdienstangebote in den Seniorenheimen sind vielfältig und offen für alle. Sie wollen die Verbindung zwischen den Menschen „drinnen und draußen“ verstärken. Ebenso werden mit dem monatlichen Kaffeestand bei der Tafel neue Verbindungen geknüpft.
Auf diesen und anderen Wegen wird die Gemeinde in Zukunft verstärkt weitergehen. Pfarrerin Sonja Timpe-Neuhaus fasst alle Aktivitäten mit den Worten zusammen: So „entsteht auf wunderbare Weise Kirche“ in neuen Zusammenhängen.





