Johannis-Disco: Ein Erfolgsrezept seit fast 30 Jahren
Unbeschwert tanzen, Freunde treffen, den Alltag und die eigenen Probleme für ein paar Stunden vergessen – das alles zeichnet das Konzept der Johannis-Disco in der evangelischen Kirchengemeinde Schwerte-Ergste aus. Und das im kommenden Jahr seit sage und schreibe drei Jahrzehnten. Was damals klein anfing, ist heute ein Selbstläufer und mittlerweile weit über die Gemeindegrenze hinaus bekannt.
Drei Familien, deren Kinder ein Handicap hatten, traten seinerzeit an den Pfarrer heran. Sie suchten einen Treffpunkt, einen Raum, um ihren Kindern ein Stück weit Normalität zu ermöglichen. Bisherige Angebote waren damals wenig attraktiv und so wurde die Idee zur Johannis-Disco, einer Disco für behinderte Jugendliche und ihre Freunde, geboren. Bewusst wird auch heute noch von behinderten Jugendlichen gesprochen – diskriminiert fühlt sich durch diesen Begriff vor Ort niemand. Vielmehr genießen alle gemeinsam die Zeit. Und so hat sich das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Schwerte-Ergste in den letzten 29 Jahren zu einem besonderen Treffpunkt für die Jugendlichen und Junggebliebenen mit verschiedenen Handicaps entwickelt.
Ausgebremst wurde die beliebte Veranstaltung seinerzeit durch die Corona-Pandemie. Damals stellte sich die Frage, aufhören oder einen Neustart wagen. Schnell war klar, es muss weitergehen mit der Johannis-Disco. Die rund 30 Ehrenamtlichen um Janet Minichshofer, teils jung, teils alt und teils mit Handicap sowie teils seit der ersten Stunde dabei, krempelten die Ärmel hoch und starteten wieder durch – und das erfolgreicher denn je! Und auch die Konfirmanden helfen dann und wann bei der Durchführung der Disco, die sechs Mal pro Jahr stattfindet. Durchschnittlich wird die Disco von 120 bis 150 behinderten Jugendlichen und ihren Freunden, Eltern und Betreuern besucht und ist damit voll ausgelastet.
Um ausgelassen Spaß zu haben und die Tanzfläche zu rocken, ist oftmals kein Weg zu weit. So kommen die Besucher aus Iserlohn, Hagen, Dortmund und dem Sauerland. Die Kreise, die das Angebot, gezogen hat, wurden mit der Zeit immer weiter. Vor Ort fällt die familiäre Atmosphäre auf. Mit offenen Armen wird sich begrüßt und in den Arm genommen. „Manche kennen sich aus den Werkstätten, manche haben sich hier angefreundet“, weiß Janet Minichshofer zu berichten und auch sie als Helferin kommt aus dem Drücken der Besucher nicht heraus. Seit dem Neustart in 2023 zählt zur großen Familie auch die DLRG Westhofen -Garenfeld, die Discoabende mit einem Sanitätsdienst unterstützt.
Trotz der intimen Atmosphäre soll die Johannis-Disco einer normalen Disco natürlich in nichts nachstehen. Am Eingang wird ein symbolischer Eintritt in Höhe von 50 Cent erhoben. Stolz öffnen die Besucher ihr Portmonee und suchen das Geld zusammen. Als Gegenzug gibt typisch für eine Disco einen Stempel auf den Handrücken. Und diesmal gibt es noch etwas Besonderes. Immer wieder lässt sich das Team der Johannis-Disco etwas einfallen. Nun machte der Eiswagen Halt vor dem Gemeindehaus und jeder Besucher bekam einen Gutschein für eine Kugel Eis.
Und was wäre eine Disco natürlich ohne Lichttechnik und Musik. Wechselnde Discjockey-Teams sorgen jedes Mal aufs Neue dafür, dass sich die Tanzfläche schnell füllt. Während die Jugendlichen im Erdgeschoss tanzen, lachen und ihren Spaß haben, befindet sich in der ersten Etage das „Eltern-Café“. Hier können sich die Eltern mit Gleichgesinnten austauschen, wozu sonst im Alltag wenig Zeit bleibt. Essen und Trinken gibt es aber natürlich auch für die Jugendlichen, denn wer tanzt, muss sich schließlich zwischendurch auch stärken.
Seit dem Neustart in 2023 unterstützt auch die DLRG Westhofen -Garenfeld die Discoabende mit einem Sanitätsdienst.
Bevor dann im kommenden Jahr das 30-jährige Bestehen der Johannis-Disco gefeiert werden kann, wird in diesem Jahr noch zu einer weiteren Disco eingeladen. Am 29. November von 17 bis 20 Uhr verwandelt sich das Gemeindehaus wieder in eine Disco für behinderte Jugendliche und ihre Freunde, die ganz normal tanzen, feiern und Spaß haben wollen. Termine für das kommende Jahr werden auf der Homepage der Kirchengemeinde https://www.ev-kirche-ergste.de veröffentlicht.
Die Disco finanziert sich zum Großteil aus Spenden. So konnte schon durch Spenden eine rollstuhlgerechte Rampe am Gemeindehaus erstellt werden, so dass jeder Rollstuhlfahrer eigenständig in die Disco gelangen kann und auch die Eingangstür ist per Knopfdruck zu öffnen. Um auch weiterhin das beliebte Angebot für Menschen mit Handicap anzubieten zu können, sind Sponsoren jederzeit gern gesehen. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich bei Janet Minichshofer im Gemeindebüro telefonisch unter 02304/74723 oder per E-Mail an gemeindebuero@ev-kirche-ergste.de melden.
von Annabell Brock







