„Gott sucht nicht die Perfekten, sondern die Sehnsuchtsvollen“
Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfr. Dirk Ellermann
Da stehen sie gemeinsam vor dem Altar, lesen den Psalm und sprechen das Gebet. Der eine kommt, der andere geht. Es ist der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Dirk Ellermann, seine Entpflichtung als Gemeindepfarrer der Versöhnungs-Kirchengemeinde in Iserlohn durch den Superintendenten Pfarrer Oliver Günther. Doch die Gemeinde steht jetzt nicht allein da, denn direkt im Anschluss konnte der Superintendent Pfr. Michael Kamutzki begrüßen, der in einem Pastoralen Dienst im Übergang die Gemeinde und das erweiterte Pfarrteam mit den Prädikanten in der nun anstehenden Phase der Neuorientierung begleiten und beraten wird. Wie die Neuorientierung nach Weggang von Pfr. Ellermann und der Auflösung des Presbyteriums gestaltet werden kann, daran wird auch der durch den KSV neu berufene Bevollmächtigtenausschuss mitwirken, der ebenfalls in diesem Gottesdienst vom Superintendenten eingeführt und gesegnet wurde.
„Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, und der ist Jesus Christus!“
Wie ein Bekenntnis zum Grund der Existenz der Gemeinde begleitet der britische Song „In Christ Alone“, gesungen von “RISE UP!”, dem Pop-Chor der Gemeinde, unter der Leitung von den Kantoren Ute & Hanns-Peter Springer, den Einzug in die Kirche.
Als wollten sie ihre Zustimmung und Bestätigung des Wunsches und der Sehnsucht zeigen, weiter mit Jesus und seinem „Bodenteam“ auf dem Weg zu sein, haben sich an diesem Tag viele Menschen aufgemacht, die Kirche gut gefüllt, um sich von ihrem Pfarrer zu verabschieden und den „Neuen“ zu begrüßen.
„Ich verlasse dich nicht!“
Es war dann auch Pfr. Dirk Ellermann, der in seiner Abschiedspredigt die Zusage Gottes: „Ich verlasse dich nicht!“ an uns Christen weitergab. Auf den Bildschirmen in der Kirche erscheint das Gemälde „Jakobs Traum“ von Marc Chagall. Es ist sein Lieblingsgemälde von Chagall, sagt Pfr. Ellermann und lässt nicht lange auf die Begründung warten. Zwei Hälften prägen das Bild. Da ist die linke mit der Himmelsleiter, an der in gleißendem, göttlichen Licht Engel auf und ab steigen und daneben ganz in rot der schlafende Jakob. Der ist der auf der Flucht vor seinem Bruder Esau. Den hat er mit einer List um sein Erbe betrogen. Da liegt er, mit einem eher verunsicherten, erschrockenen Gesicht und kann das unglaubliche Traumgeschehen mit der positiven Zusage Gottes nicht recht einordnen. Die linke Hälfte des Gemäldes zeigt die menschliche Dimension des Traums, die Ängste und Wünsche, das Schwanken zwischen Alp- und Hoffnungstraum, die das soeben zugesagte Versprechen Gottes nicht fassen kann, sagt Pfr. Ellermann. „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst …“
Wo ist Gott und wo ist Gott für uns?
Auch wenn Gott spricht, zu sehen ist der Gott Jakobs nicht. Wo ist Gott und wo ist Gott für uns? Gott kann man nicht ins Bild setzen. Er ist unverfügbar, sagt Pfr. Ellermann und doch gibt er sich für Chagall in der rechten Hälfte des Gemäldes zu erkennen. Er zeigt sich in einem außergewöhnlichen vierflügeligen Engel, in dessen Mitte die Menora aufleuchtet. Seine Unaussprechbarkeit und Verborgenheit und dennoch Gegenwart unterstreichen die beiden schwarzen Andeutungen eines Jotas, als Bestandteil seines Namens, im oberen rechten Bereich.
„Gott sucht nicht die Perfekten“
Wenn es für Jakob gilt, dass die Verbindung zwischen Himmel und Erde trotz aller Schuld nicht abreißt, so gilt auch für Chagall die Möglichkeit zu einem Neuanfang für andere Menschen, die in Schuld verstrickt sind. „Gott sucht nicht die Perfekten, sondern die Sehnsuchtsvollen“, sagt Pfr. Ellermann. Dass die Zusage auch für uns gilt, ist zum einen in Gottes Wort zugesagt: „Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden!“ und zum anderen auch hier im Gemälde deutlich gemacht. Über dem hell erleuchteten rechten Flügel ist Jesus Christus, der Gekreuzigte, zu erkennen und eine kleine Leiter am Bildrand führt zu ihm. Bei ihm angekommen, wird er uns zur „Leiter“. Er ist der Zugang, offen für alle, die die Sehnsucht, Hoffnung und Leidenschaft in sich tragen, zu Gott zu gehören.
Pfr. Dirk Ellermann ist einer, der sich mit Sehnsucht, Hoffnung und Leidenschaft gepaart mit tiefem Glauben 11 Jahre lang in die Arbeit in, mit und für die Versöhnungs-Kirchengemeinde im Umfang einer halben Pfarrstelle eingebracht hat.
Respekt und Anerkennung
Das machte auch Superintendent Pfr. Oliver Günther in seiner Würdigung deutlich: „Du hast die Gemeinde in schwierigen Zeiten als Pfarrer treu und mit viel Engagement begleitet und geleitet. Dein besonderer Schwerpunkt, deine große Leidenschaft lag in der Arbeit mit jungen Menschen, besonders in der Konfirmandenarbeit hast du dich mit viel Herzblut und neuen Ideen eingebracht. Du bist innovationsoffen, planst gewissenhaft und gründlich, hast eine Meinung und äußerst sie auch.
Darüber hinaus hast Du dich darum bemüht, die Versöhnungskirchengemeinde mit einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt und Menschen in einen Dialog zu bringen. Du hast Menschen verbunden, in der Allianz, auch mit anderen Religionen und Kulturen. Das braucht unsere Zeit. Das braucht unsere Demokratie. Das braucht Iserlohn.
Das alles – und auch das heute Unausgesprochene – verdient Respekt und Anerkennung. Von Herzen Dank für deine Treue und deine Liebe zum Evangelium, für alles, was du in dieser Gemeinde geleistet hast.“
Aber immer bleiben auch Dinge, die nicht gelungen sind, bei denen Pfarrer und Presbyterium kein glückliches Ende gestalten konnten. Auch die sprach der Superintendent an: „Wir bauen das Reich Gottes als Fragment und bleiben miteinander darauf gewiesen, dass Gott barmherzig und gnädig ist.“
Aus der Kirche in die Schule
Für Pfr. Dirk Ellermann war dieser Tag aber kein Abschied aus dem Pfarrdienst. Nach 30 Jahren im kirchlichen Dienst steht der Wechsel in eine neue Aufgabe an. In Zukunft übernimmt er die Aufgabe als Schulpfarrer und Religionslehrer im Schuldienst in einer vollen Pfarrstelle, in der er auch jetzt schon mit einigen Stunden tätig war. „Du begleitest nun junge Menschen auf ihrem Glaubens- und Lebensweg, als Lehrer und Seelsorger“, sagte Superintendent Günther, entpflichtete Pfr. Ellermann aus seiner Gemeindepfarrstelle und segnete ihn für seine neue Aufgabe, gemeinsam mit Pfr. Tom Mindemann, als Vertreter des KSV.
„The Lord bless you“, war im Anschluss an den bewegenden Moment, die gesungene Zusage des Pop Chors „RISE UP“.
Dieser Wunsch galt auch für Pfarrer Michael Kamutzki, Pfarrer im Pastoralen Dienst im Übergang, den der Superintendent im Anschluss begrüßte und segnete. „Sie übernehmen pastorale Kernaufgaben und begleiten das Leitungsorgan auf dem Weg nach vorne. Sie kommen von außen, mit einem nüchternen, objektiven, unvoreingenommenen Blick auf das, was ist und werden kann, um zu helfen, zu sortieren, um Mut zu machen und manches gemeinsam zu hinterfragen.
Dafür wünschen wir ihnen einen kräftigen Geist für Besonnenheit und Liebe.“
Damit die Gemeinde auch nach der Auflösung des Presbyteriums, aufgrund einiger personeller Veränderungen und persönlicher Entscheidungen, eine rechtmäßige Leitung hat, konnte Superintendent Oliver Günther zum Schluss die Mitglieder des neu eingesetzten Bevollmächtigten Ausschusses begrüßen und nach ihrem Gelöbnis in ihre Aufgabe einsegnen.
Mit dem Hinweis auf diese umfangreiche Aufgabe, für die es nicht immer leicht ist Menschen zu finden, sagte der Superintendent: „Ich bin euch und Ihnen sehr dankbar, dass Sie zur Verantwortung bereit sind“.
Einer geht einen anderen Weg und einige „Neue“ machen sich mit der Gemeinde erneut auf, ihre Zukunft zu gestalten. Sie wissen, sie gehen den Weg nicht allein.
Gottes Zusage steht: „Ich verlasse dich nicht!“. Diese Zusage unterstrich der Chor zum Abschluss mit dem Lied: „Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei!“, klangvoll.










