Burckhardt Hölschers Versöhnungsbemühungen werden mit bedeutendem Kirchenpreis in Polen belohnt
Man merkt Pfarrer i.R. Burckhardt Hölscher sofort im Gespräch an, wie stolz er auf die Auszeichnung mit dem renommierten „Prinzessin-Anna-Wasa-Kirchenpreis“ für seine langjährige Versöhnungsarbeit ist. Besser konnte man ihm nicht für seine Friedensbemühungen zwischen deutschen und polnischen Christen danken und das dann auch noch im Jubiläumjahrs der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe.
Für die bedeutende Auszeichnung der Evangelisch-Augsburgerischen Kirche in Polen (kurz EAKP) wurde Hölscher unter anderem von Pfarrer Tomasz Stawiak aus Jawor/Jauer und Janusz Witt, dem Vorsitzenden der Internationalen Dietrich-Bonhoeffer-Gesellschaft, vorgeschlagen. Mit dem nach der Wohltäterin Anna Wasa benannten Preis würdigt die EAKP seit 2017 Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in herausragender Weise für die EAKP einsetzen sowie Brücken der Versöhnung und des Dialogs zwischen Deutschland und Polen schlagen.
Und eben solch ein Brückenbauer ist Hölscher, der 36 Jahre Gemeindepfarrer in Letmathe war. „Das gemeinsame Europa ist für mich zu allererst immer ein christliches Versöhnungsprojekt gewesen“, so Hölscher, der vor 18 Jahren die Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden in Letmathe und Jawor/Jauer aufbaute und über die Jahre hinweg zu einem wichtigen Fundament der Völkerverständigung entwickelte.

In seiner Arbeit als Gemeindepfarrer ist Hölscher nach eigener Aussage so vielen unversöhnten Menschen und mit Blick auf das deutsch-polnische Verhältnis so vielen nach dem Krieg vertriebenen Deutschen, die vornehmlich aus Niederschlesien stammen, begegnet und mit deren Schicksal konfrontiert worden. Und die Gemeinde rund um die Friedenskirche in Letmathe insbesondere ist erst infolge des großen Zustroms von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Ostgebieten groß worden. So kam Hölscher, der sich für alle Deutschen schämt, die die Schuldgeschichte unseres Landes aus der Erinnerung ausblenden wollen, die Idee zur gemeinsamen deutsch-polnischen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit sowie zu Begegnungsprojekten. 2005 wurde eine Partnerschaftsvertrag zwischen den Gemeinden unterzeichnet. Es war schlichtweg an der Zeit, Wege der Versöhnung zu gehen. „Als evangelische Christen wissen wir: Der Glaube an den gnädigen Gott, an den Frieden Gottes, macht frei“, so Hölscher. Immer wieder muss man sich frei machen von all dem, was einen trennt und den Fokus mehr auf das legen, was einen eint.
Dass Hölscher den Preis am 19. Oktober begleitet von Ehefrau Daniela und einer Delegation aus Letmathe und in Gegenwart von Pfarrerin Beate Brauckhoff, der Vorsitzenden des Europa-Ausschusses der Evangelischen Kirche von Westfalen, in Masuren entgegennehmen konnte, ist seiner Meinung nach der Verdienst seines Vaters. „Ohne Christi Wort von der Vergebung hätte ich nie wieder anfangen können“, sagte Hölscher Vater nach der russischen Kriegsgefangenschaft den Kindern. Als Nachkriegskinder hätten er und seine Geschwister viele Fragen gehabt und anders als so viele deutsche Väter der Kriegsgeneration hätte der Vater mit ihnen über die Naziverbrechen und die große deutsche Kriegsschuld gesprochen.
Den Augenblick der Preisverleihung beschreibt Hölscher wie folgt: „All das war bewegender und berührender, als ich es erwartet hatte.“ Wobei Hölscher bewusst unterstreicht, dass er stets mit offenen Ohren und Armen sowie mit ausgestreckten Händen von den polnischen Glaubensgeschwistern begrüßt wurde und daher viele im Gedächtnis bleibende Erinnerungen hat. Ein Ereignis, was auch im Zuge der deutsch-polnischen Freundschaft bewegte, war die unvergessene Breslauer Aufführung des „Bonhoeffer Oratoriums“ mit dem Chor der Friedenskirche. Hinzu kommen zudem die deutsch-polnischen Versöhnungstouren mit dem Fahrrad von einer Friedenskirche zur anderen, um so einen Brückenschlag in Europa zu schlagen.
In einer feierlichen Zeremonie wurde ihm während einer fünftägigen Reise in der ältesten lutherischen Kirche Masurens, in Pasym, vom leitenden Bischof Jerzy Samiec die Auszeichnung verliehen. Die Laudatio hielt dabei Dr. Adam Maline, Präsident der lutherischen Landessynode, er würdigte das Engagement für eine lebendige Erinnerungskultur, in deren Zentrum besonders der Theologe Dietrich Bonhoeffer steht. Darin hieß es: „Das Lebenswerk von Pfarrer Hölscher ist eine Schatztruhe voller Projekte, Initiativen und Events, die nicht nur die Stärkung der deutsch-polnischen Beziehungen zum Ziel hatten, sondern auch die europäische Solidarität.“ Dass sich Hölscher für die Förderung der Person Dietrich Bonhoeffers engagiert, liegt darin, dass er in ihm einen „Rettungsanker“ sieht. War es nicht zuletzt Bonhoeffer, der sagte: „Die Kirche Christi lebt zugleich in allen Völkern“.
Auch wenn Hölscher nicht mehr als Gemeindepfarrer aktiv ist, soll die deutsch-polnische Partnerschaft als sein Herzensprojekt aktiv weitergeführt werden und dem christlichen Miteinander und dem Austausch dienen. Gerade aufgrund politischer Entwicklungen und Konflikte sowie Zeiten der Spaltung mit rechtsextremen Strömungen ist die Verantwortung der Kirche, an der deutsch-polnischen Freundschaft festzuhalten, umso größer. Freiheit, Frieden und Freundschaft sind die drei Schlagworte, für die sich alle Beteiligten auch zukünftig einsetzen möchten. „Versöhnung ist ein ständiger Auftrag“, bringt es Hölscher passend auf den Punkt.
Text und Fotos: Annabell Brock







