Ulf Schlüter als Gastredner beim Jahresempfang

Am 6. Februar fand der traditionelle Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn, der sich mittlerweile als wichtige Institution im Iserlohner Raum etabliert hat, im bis zum letzten Platz gefüllten Varnhagenhaus statt. Rund 170 Mitarbeitende, Freunde und Unterstützer aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Diakonie, Bildung und dem gesellschaftlichen Leben folgten der Einladung der Superintendentin Martina Espelöer. Gemeinsame Verbindungen, Begegnungen und Werte stehen im Mittelpunkt dieses Empfangs, was die Superintendentin in ihrer Begrüßungsrede noch einmal besonders hervorhob: „Wir stehen für gemeinsame Werte, für Prinzipien ein: Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden – oder sagen wir auch: Respekt, Freiheit, Nächstenliebe und Versöhnung.“, die als „unverbesserlich-chronisch hoffnungsvolle Menschenliebhaber“, wie sie humorvoll formulierte, dazu beitragen, „dass Kirche, Gesellschaft, Politik und Kultur zusammenwirken zum Wohle der Menschen.“ Daher dankte die Superintendentin ausdrücklich allen ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihr Engagement und die Zeit, die sie bei der Mitgestaltung des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens aufbringen. „Letztlich liefern wir alle hier mit unserem Austausch einen Beitrag zu Frieden und Versöhnung – nicht weniger.“

Mit seinem hochinteressanten und sachverständigen Vortrag mit dem prägnanten Titel „Die wilden 20er – Perspektiven für Kirche und Gesellschaft am Anfang des neuen Jahrzehnts“ bereicherte der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und ehemalige Dortmunder Superintendent Ulf Schlüter den Abend.  Er überbrachte die Grüße der Präses und sprach mit klaren Worten die strukturellen Umwälzungen an, die die Gesellschaft und auch die Kirche in den „neuen Zwanzigern“ erwarten. „Globale Trends und Phänomene, insbesondere Klimawandel, Digitalisierung, Migration und die mit diesen Entwicklungen verbundenen Interessenskonflikte werden das Leben des Einzelnen wie aller gesellschaftlicher Organisationen nachhaltig beeinflussen und verändern.“ Der Wandel der Öffentlichen Kommunikation im digitalen Bereich erfordere auch im kirchlichen Bereich eine Anpassung in der medialen Umsetzung, wie er im Pressegespräch erläutere, aber auch ein bewusstes Umdenken und Umlernen, was für Konsequenzen diese neue Art der Kommunikation mit sich zieht. Elementare Entwicklungen unserer Gesellschaft wie der demographische Wandel und die weiter voranschreitende kulturelle und religiöse Diversifizierung stellten große Herausforderungen für unsere Gesellschaft und für unsere Kirche dar. Die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre führen dazu, dass im letzten Jahr 80.000 Menschen in Deutschland 100 Jahre alt wurden – die Folgen und Aufgaben können wir heute nur ahnen!“ Der Fachkräftemangel in der Handwerkerschaft, der Mangel an Hausarztpraxen im ländlichen Raum, sich leerende Lehrerzimmer und nicht zuletzt das theologische Nachwuchsproblem sind nur einige Beispiele, die schon heute für uns spürbar werden. Zwei Drittel der Pfarrerinnen und Pfarrer von Westfalen werden in diesen Zwanzigern in den Ruhestand gehen, ohne dass auch nur annähernd ausreichend Nachwuchs zur Bedarfsdeckung vorhanden sei, führte Ulf Schlüter aus. Die Auswirkungen bedeuten nach Meinung Ulf Schlüters gravierende Veränderungen für die Evangelische Kirche, „die wir bedauern, ja betrauern können, denen wir uns aber auch aktiv stellen können – ich favorisiere letzteres.„Für mich steht fest, dass die Kirche des 21. Jahrhunderts deutlich anders aussehen wird und sich von Ordnungen, Strukturen, Gewohnheiten und vereinskirchlichen Modellen des 20. Jahrhunderts – besonders der Nachkriegszeit – aktiv lösen muss.“ Unveränderter, grundlegender Auftrag der Kirche bleibt aber weiterhin, „das Zeugnis zu geben von der menschgewordenen Liebe Gottes: Die Feier des Gottesdienstes, die Bindung an Gott und Jesus Christus muss im Zentrum der gemeindlichen Tätigkeit stehen – wo immer wir etwas tun, muss das unser Selbstverständnis sein.“ Das beziehe sich auch und vor allem auf die Ausbildung qualifizierten Personals, um „diakonisch aktiv sichtbar und präsent zu bleiben.“, was auch der Superintendentin Martina Espelöer ein hohes Anliegen ist: „Auf die Zuwendung zum einzelnen Menschen laufen Gottesdienst und Glaube hinaus! Die diakonische Arbeit in den Gemeinden und Organisationen steht für uns ganz oben!"

Mit ermutigenden Worten schloss er seinen Vortrag: „Fürchtet Euch nicht: Für mich heißt das: Gesellschaftliche Veränderungsprozesse können und werden gelingen, solange sie am menschlichen Gemeinwohl und an der menschgewordenen Liebe Gottes orientiert sind.“ 

Der Abend stand im Zeichen der Begegnung. Angeregt durch die Begrüßungsrede der Superintendentin und des kompetenten Vortrages des Theologischen Vizepräsidenten ergaben sich zahlreiche Ansatzpunkte zu regem Austausch. In angenehmer Atmosphäre bei musikalischer Begleitung durch den Posaunenchor der Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde, an diesem Abend unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor und Kreiskantor Hanns-Peter Springer, konnten neue Kontakte geknüpft und Beziehungen weiter vertieft werden. Gerade dieses Ambiente wurde von vielen Gästen gelobt und trug zum guten Gelingen der Veranstaltung bei. Die Superintendentin schloss den Abend mit dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ und dem Abendsegen. Sie verabschiedete alle Gäste persönlich in den Abend hinein.

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Impressionen vom Jahresempfang